Nach kräftigen Kurssteigerungen geht es am Rentenmarkt jetzt ruhiger zu. Die Großanleger scheinen angesichts möglicher weiterer Zinssenkungen ihre Mittel weitgehend "verplant" zu haben, die Kundschaft hat ebenfalls disponiert und das Kreditgewerbe sich mit Rentenwerten vollgesogen. Eine Konsolidierungspause war überfällig.

Verstimmt hat, daß die neue Weltbank-Anleihe, die mit einem Nominalzinssatz von acht Prozent avisiert worden war, nun nur noch mit 7 3/4 Prozent verzinst werden soll. Natürlich wird sich diese Emission auch jetzt absetzen lassen. Aber der von den Rentenhändlern "eingeplante" Kursgewinn wird jetzt magerer ausfallen.

Die bessere Stimmung bei den Renten will nicht so richtig auf den Aktienmarkt übergreifen. Daran sind nicht nur wachsende Konjunktursorgen schuld, sondern auch die bevorstehende Bundestagswahl. Der zu erwartende knappe Wahlausgang macht das Disponieren schwer. Offensichtlich warten auch die Ausländer die weitere politische Entwicklung in der Bundesrepublik ab; denn von ihnen wurden weder nennenswerte Kauf- noch Verkaufsaufträge registriert.

Immerhin ist eine gewisse Stimmungsbesserung unverkennbar. Die Kundschaft, so berichten die Banken, ist für Anregungen wieder empfänglich. Allerdings müssen die Argumente handfest sein. Immer dann, wenn beispielsweise Papiere aus bestimmten Gründen "billig" gemacht worden sind, läßt sich Kaufinteresse mobilisieren. Davon profitierte auch die Commerzbank, die in diesen Tagen ihre Kapitalerhöhung durchführen läßt. Das Bezugsverhältnis 8:1 ist technisch kein Selbstgänger, weil die Aktionäre in den meisten Fällen entscheiden müssen, ob sie "Bezüge" zukaufen oder verkaufen sollen. Es war deshalb ein kluger Schachzug, den Bezugsrechtpreis mit sechs Mark am ersten Tag "niedrig" anzusetzen, um verkaufswillige Aktionäre abzuschrecken. Am nächsten Tag würden für das Bezugsrecht bereits fünf Prozent mehr bezahlt.

Wo anders verfahren wurde, wie zum Beispiel bei Hussel, kam das dicke Ende nach. In Verbindung mit der Bezugsrechtnotierung für junge Aktien wurde der Hussel-Kurs nach oben gepflegt. Offenbar, um Spekulanten anzulocken. Inzwischen ist er wieder gesunken, und es gibt enttäuschte Gesichter. Und dies bei einem Papier, das-noch über keinen gefestigten Börsenruf verfügt. Im übrigen hielten die Anlagekäufe im Kaufhausbereich an. K. W.