Von Wolfgang Hoffmann

Statt am letzten Samstag eine Sonderschicht zu leisten und dafür rund 140 Mark Lohn zusätzlich zu kassieren, hatten die Opel-Arbeiter in Bochum und Rüsselsheim ein freies Wochenende. Dabei hätten nach dem Willen des Vorstands an diesem Tag rund 1500 Autos von den Montagebändern rollen sollen. Doch der Betriebsrat blockte ab und verweigerte seine Zustimmung zu Sonderschichten.

Die Automobilwerken von Opel waren kaum aus den Werksferien an die Montagebänder zurückgekehrt, da beantragte die Unternehmensleitung bei den Betriebsräten zusätzliche Sonderschichten. Um die anhaltende Nachfrage nach Autos decken zu können und die Kunden nicht mit allzu langen Lieferfristen zu verprellen, sollen im September und Oktober je zwei Schichten mehr als normal gefahren werden.

Just eine solche Unternehmenspolitik aber, die Produktion durch Überstunden und Sonderschichten zu steigern, statt neue Arbeitskräfte einzustellen, hat die Industriegewerkschaft Metall ins Visier genommen. Sie empfahl ihren Mitgliedern in den Betriebsräten, die Zustimmung zu Sonderschichten zu verweigern und so Solidarität mit den arbeitslosen Kollegen zu zeigen.

Obwohl zu einem hohen Prozentsatz gewerkschaftlich organisiert, geht es den Opel-Betriebsräten jedoch nicht darum, der IG-Metall-Empfehlung zu folgen. Denn in Rüsselsheim beispielsweise arbeiten heute nur knapp 2000 Beschäftigte weniger als in der besten Zeit im Boom-Jahr 1972. Das Ziel der Opel-Betriebsräte ist höher gesteckt: Sie wollen eine Änderung der Unternehmenspolitik bewirken.

Der Rüsselsheimer Betriebsrat beschloß deshalb, den beantragten Sonderschichten nur dann zuzustimmen, wenn die Unternehmensleitung finanzielle Rückstellungen vornimmt. Aus dem Rückstellungsfonds soll, falls wieder einmal Kurzarbeit notwendig wird, die Differenz zwischen dem von der Bundesanstalt für Arbeit bezahlten Kurzarbeitsgeld und dem früheren Nettolohn der Arbeitnehmer ausgeglichen werden. Immerhin bedeutet eine Woche Kurzarbeit für einen Opel-Werker einen Nettoverlust von 70 Mark im Monat. Richard Heller, Betriebsrats Vorsitzender in Rüsselsheim: "Das ist viel."

Ginge die Unternehmensleitung auf diesen Plan ein, so würde dies für die Firmenkasse viel bedeuten; Für eine Woche Kurzarbeit in Rüsselsheim müßte das Unternehmen dann rund 2,5 Millionen Mark zahlen, wenn die Gesamtbelegschaft von derzeit rund 35 000 Beschäftigten feiern müßte, für das Bochumer Werk mit seinen rund 19 000 Beschäftigten würde eine Kurzarbeitswoche 1,3 Millionen Mark kosten.