Nach der Sinatra-Pleite wollen die Veranstalter mit billigen Eintrittskarten die Säle füllen

Einer verdient auf jeden Fall", weiß Fritz Rau, Mitinhaber der Frankfurter Konzertagentur "Lippmann und Rau" zu berichten, "und das ist der Saalvermieter." Ob Sammy Davis für ihn ein Geschäft wird, weiß er allerdings erst am 25. September. Dann hat der Star aus den USA, der zu den besten Entertainern der Welt zählt, seine Tournee durch Deutschland und Österreich beendet. An den Start geht er am 14. September im Hamburger Congress-Centrum, anschließend folgen Veranstaltungen in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Wien und zum Schluß München.

Zu einer zurückhaltenden Prognose sieht die renommierte Agentur allen Anlaß. Erst im vergangenen Jahr war ihr Konkurrent, die "Mama Concert", mit der Frank-Sinatra-Tournee ins Abseits gelaufen. In München und Frankfurt sang der Altstar vor halbleeren Tribünen. Den Auftritt in Berlin sagte er kurzerhand ab, als statt der zehntausend erwarteten Zuschauer nur zweitausend Verehrer Karten erwarben. Eintrittspreise bis zu 245 Mark hatten selbst eingefleischte Sinatra-Fans verschreckt.

Die Fehlspekulation mit der Anziehungskraft berühmter Namen will Rau vermeiden. Obwohl beide Amerikaner international der gleichen Preisklasse angehören, ist er sicher: "Bei 100 Mark liegt die magische Grenze. Mehr zahlt das deutsche Publikum nicht."

Um bei Eintrittspreisen zwischen 30 und 80 Mark noch auf seine Kosten zu kommen, handelte Rau mit den Davis-Managern ein Doppelkonzert pro Abend aus. So wie zuvor Liza Minnelli und Shirley McLaine, die der Frankfurter nach Deutschland holte, muß auch Star-Entertainer Davis zweimal auf die Bühne. Das machte sich bislang bezahlt, auch wenn dafür spezielle Umbauten erforderlich sind.

So wird die Deutschlandhalle in Berlin auf 4800 Plätze verkleinert. Die Münchner Olympiahalle schrumpft um die Hälfte auf 5000 Plätze. Einerseits bevorzugt es der nur 1,56 Meter große Künstler, seine Shows im übersehbaren Rahmen abzuziehen; andererseits mochte der Veranstalter trotz Davis’ Weltruhm nicht mit dem Ausverkauf von Riesenhallen rechnen. Noch sitzt der Branche der Schreck der Sinatra-Pleite in den Gliedern.

Ein gewisses Maß an Bescheidenheit legte sich der farbige Starunterhalter auch bei der Gagenforderung auf. Seine Manager verlangten für die fünf Doppelgastspiele in deutschen Städten rund 630 000 Mark Vorkasse. Das sind lediglich 63 000 Mark pro Auftritt. Sinatras Manager hatten den Veranstaltern seinerzeit das Dreifache abgeknöpft.