Böll und Grass an Gierek

Dreizehn polnische Intellektuelle hatten nach der Verurteilung polnischer Arbeiter, die wegen der um 70 Prozent heraufgesetzten Fleischpreise gestreikt und demonstriert hatten, einen offenen Brief an Heinrich Böll und Günter Grass sowie an französische Schriftsteller gerichtet. Böll und Grass appellierten jetzt mit einem Brief an den polnischen KP-Chef Gierek: "Kein Sozialist kann die Verurteilung streikender Arbeiter hinnehmen." Und aus Paris schrieb J. M. Domenach: "Die polnischen Arbeiter haben mit ihrem Blut und ihren. Tränen das Recht erworben, zu sprechen. Und wenn sie protestieren, nicht wie Strolche ins Gefängnis geworfen zu werden."

Künstlerhilfe

Der niedersächsische Minister Wilfried Hasselmann bläst "Sau tot", Hans-Jochen Vogel bringt die Ballade vom Tode des Schützen Jennerwein zu Gehör, die CSU-Abgeordnete Ursula Schleicher greift in die Harfe, Bildungsminister Rohde intoniert "When The Saints Go Marching In": Das sind einige Beiträge auf einer Schallplatte zugunsten der Künstlerhilfe, die in der nächsten Woche auf die Plattenteller kommen soll. Die Verbindungstexte zwischen den Darbietungen, die auch von anderen Politikern und einer Reihe von Künstlern beigesteuert wurden, werden von dem Kabarettisten Jürgen Scheller und Bundestagspräsidentin Renger gesprochen. Beispiel: Zum Orgelbeitrag des Bundeskanzlers bemerkt die Präsidentin, dies sei ein Beweis dafür, daß sich die Bonner Politiker mit Händen und Füßen zum Erfolg tasten müßten.

Pannen-Pipeline

Das 700-Millionen-Dollar-Projekt "Alaska-Pipeline" gerät zunehmend unter Beschuß. Inzwischen sind so viele Fehler und Schwachstellen an der 800 Meilen langen Leitung entdeckt worden, daß der Termin für den Betriebsbeginn, Mitte 1977, zweifelhaft geworden ist. Schlampige Arbeit. – in zwei Wochen entdeckten staatliche Kontrolleure 4000 fehlerhafte Schweißnähte, schlechtes Material und die vor allem völlig unzureichende Überwachungsanlage – droht die Pipeline zu einer Umweltkatastrophe ersten Ranges zu machen. Schon heute steht fest, daß 500 Barrel pro Tag unbemerkt, ohne Alarm auszulösen, ausfließen können. Dabei sind die Inspektoren sicher, die schlimmsten Fehler noch nicht entdeckt zu haben: "Von den Beteiligten an der Nase herumgeführt zu werden, war normal. An wirklich brenzligen Stellen wurde uns Prügel angedroht."

Luxus für das Revier