Rechtsanwalt Schily und der Fall Hammerschmidt

Von Hans Schueler

Drei volle Sitzungstage sind für den Prozeß gegen den Rechtsanwalt Otto Schily vorgesehen. Er wird kaum Aufsehen machen. Er findet statt in einem der gegen Terroranschläge besonders gesicherten Säle des Krimi – nalgerichts Berlin-Moabit, die für die ersten Baader-Meinhof-Verfahren hergerichtet wurden. Und dort gehört er wohl auch hin, wenn schon nicht aus sachlichen, so doch aus sentimentalen Gründen: Schily hat am gleichen Ort vor Jahren Horst Mahler verteidigt, den eigentlichen Gründer der kriminellen Vereinigung. Sein Gegenspieler auf dem Stuhl des Anklägers war damals der Erste Staatsanwalt Nagel. Jetzt klagt Nagel, inzwischen Oberstaatsanwalt, den Rechtsanwalt Schily an. Und das Ganze ist eine Art von Baader-Meinhof-Gedächtnisprozeß.

Denn die eigentliche Zentralfigur, Katharina Hammerschmidt, ist tot: Sie starb Ende Juni vergangenen Jahres ist Krebs. Die Frage ist freilich, ob sie auch gestorben wäre oder jedenfalls: so früh gestorben wäre, wenn es die Berliner Justiz und ihre Hilfskräfte im Strafvollzug nicht Justiz

Katharina Hammerschmidt, Studentin, zur Zeit ihres Todes 31 Jahre alt, gehörte mutmaß-Zeit zu den Baader-Meinhof-Leuten. Sie soll Waffen für die Terroristen weitergeleitet und unter falschem Namen konspirative Wohnungen unter mietet haben. Ganz früh schon – 1971 – floh sie vor steckbrieflicher Verfolgung ins Ausland. Dort erfuhr sie von der Eskalation des Ausland. von erschossenen Polizisten und den Opfern der Sprengstoffanschläge in Frankfurt und Heidelberg. Sie beschloß, sich den deutschen Behörden zu stellen und übermittelte ihre Absicht dem Rechtsanwalt Schily. Der holte sie am 29. Juni 1972 in Frankreich ab und übergab sie auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof der zuvor verständigten Staatsanwaltschaft – in der guten Hoffnung, seine Mandantin werde nur verhört, aber nicht verhaftet, und könne ihren Prozeß in Freiheit erwarten.

Ohne Befund

Doch kurz zuvor waren die BM-Kernmitglieder festgenommen worden; da mochte die Justiz auch reumütige Randfiguren nicht frei herumlaufen lassen. Katharina Hammerschmidt wurde zur Untersuchungshaft in das Frauengefängnis Lehrter Straße gebracht und saß dort fast anderthalb Jahre. Ihr Prozeß sollte im Januar 1974 beginnen. Dazu kam es indes nicht mehr.