Politische Aussage und Kriminalhandlung lassen sich theoretisch auf drei Arten miteinander verbinden: Die Kriminalhandlung kann – erste Möglichkeit – als Transportmittel für politische Information dienen; umgekehrt kann – zweiter Fall – Politinformation als Alibi für einen Krimi arbeiten; schließlich ist die Verwendung der Kriminalhandlung denkbar, damit an dieser selbst die politische Aussage deutlich werde. Dies wäre zweifellos die beste, die "literarischste" Lösung. Sie wurde denn auch von den besten Autoren dieses Metiers, von Chandler etwa, Himes und dem schwedischen Autorenteam Sjöwall und Wahlöö, überzeugend praktiziert.

Natürlich darf man, muß man danach fragen, was denn die Politik im Krimi solle. Ist es nicht gerade die Aufgabe des Krimis, ob nun im Fernsehen oder als Buch, von der Wirklichkeit, also auch von der Politik, zumindest vorübergehend, abzulenken, einfach mal "auf die Folter zu spannen", ein wenig die Erlebnisarmut des bürgerlichen Alltags zu kompensieren? Und dennoch findet, wie man heute weiß, durch diese Art unpolitischem Krimi eine Politisierung "durch die Hintertür" statt, eine Anti-Aufklärung: Verbrecher sind Verbrecher, der Kommissar aber ist die law and order repräsentierende Leitbildfigur.

Die Jugendliteratur ist von diesen Grundverhältnissen sicher nicht dispensiert, wenn auch meist das detektivische Scharfsinnsmoment zurücktritt zugunsten von Aktion und ethischen Absichten, etwa Abwehr von falschem Verdacht. Die Erzählung von

Margret Steenfatt: "Die sanften Banditen"; Signal Verlag, Baden-Baden; 127 S., 14,80 DM

ist, wenn man so will, ein solcher Politkrimi, und zwar in der gelungenen Form. Ein junger Mann, Patrick, findet bei seinem Vater nicht die Zuwendung und das Verständnis, die er braucht – er "haut ab", im Mercedes seines Vaters. Patrick wird nun von einer Bande Jugendlicher, die für einen Rauschgifthändler arbeitet, gekidnappt, aber Patrick merkt es kaum, zu sehr sehnt er sich nach Anschluß. Der Rauschgiftboß schickt einen eben Haftentlassenen, um der Bande klarzumachen, daß er sie nicht mehr gebrauchen kann, da einer der ihren geschnappt worden ist.

Es ist der Verfasserin gelungen, eine Vielzahl von Handlungen, Schicksalen und Konflikten kunstvoll miteinander zu verzahnen, das Milieu kräftig mitspielen zu lassen, die menschlichen Situationen der Mitspielenden miterlebbar zu machen und dabei auch die Ursachen und Entwicklungsprozesse, durch die es zu den aktuellen Verwicklungen gekommen ist, mit einfließen zu lassen: Armut, Wohlstandsverwahrlosung, Familienversagen, gestörte Kommunikation, fehlgeleitete Sehnsucht nach Anschluß und Glück. Das ist mit handwerklicher Qualität gebaut und genau geschrieben, ohne stilistische Schnörkel. In ähnlicher Weise hatte schon

Irene Rodrian: "Blöd, wenn der Typ draufgeht"; rororo rotfuchs 113, Rowohlt Verlag, Reinbek; 92 S., 3,80 DM