Im Vorwort Ihres letzten Romans "Album für Manuel" betonen Sie, er sei Ergebnis einer "Konvergenz bislang ungleicher Tätigkeiten". Heißt das, daß bei Ihnen politisches Engagement und literarische Arbeit jetzt verbunden sind?

JULIO CORTAZAR: Im Fall von "Album für Manuel" eindeutig ja – aber nicht notwendigerweise in meiner ganzen weiteren literarischen Tätigkeit. Im Augenblick beende ich einen Band mit Erzählungen. Bei einer oder zwei davon fallen politisches Engagement und reine Literatur zusammen; die anderen sind einfach phantastische Erzählungen. Ich glaube, ein revolutionärer Intellektueller tut am besten daran, auf allen Ebenen frei zu sein.

Vor dem "Album für Manuel" schrieb ich einerseits reine Literatur in Form von Romanen und Erzählungen, andererseits politische Texte, Essays und offene Briefe. Als ich die Notwendigkeit verspürte, "Album für Manuel" zu schreiben, dachte ich an die Möglichkeit einer Konvergenz der beiden Aspekte, das heißt an ein Buch mit politischem Inhalt, das zugleich ein Roman ist mit allen Ansprüchen guter Literatur. Der Roman sollte nicht dem politischen Inhalt unterworfen sein, wie es im sogenannten Sozialistischen Realismus leider vorwiegend der Fall ist. Ich habe mich daher um eine Konvergenz bemüht, die weder den politisch-ideologischen noch den literarischen Werten Schaden zufügt. Die Leser mögen beurteilen, inwieweit es mir gelungen ist.

Ich selber bin nicht zufrieden, denn ich mußte das Buch für meine Verhältnisse zu schnell schreiben. Es sollte rasch erscheinen, um in jenem Moment in Argentinien und in Lateinamerika nützlich zu sein. Und wenn ich nützlich sage, so geschieht dies voller Bescheidenheit, denn ich glaube keinesfalls wie viele andere, daß der Literatur auf der politischen Ebene eine große Bedeutung zukommt. Ich glaube, sie hat nur eine kleine, aber ich setze den Akzent mehr auf das Wort Bedeutung als auf das Wort klein.

"Album für Manuel" setzt Ihre Bemühungen fort, bestehende literarische Strukturen und Modelle aufzulockern, ein "offenes Kunstwerk" zu schaffen. Sehe ich das richtig?