• Herr Rohwedder, wie beurteilen Sie nach der Leipziger Herbstmesse die Entwicklung des innerdeutschen Handels?

Rohwedder: Ich gehe davon aus, daß dieser Handel, der inzwischen ein Volumen von rund 7 1/2 Milliarden Mark erreicht hat, weiter zunimmt. Für diese Einschätzung spricht auch die Tatsache, daß die Geschäfte unserer Firmen auf der Leipziger Herbstmesse besser als ursprünglich erwartet waren.

  • Werden Bezüge und Lieferungen sich auch im zweiten Halbjahr 1976 ausgleichen, oder wird es der DDR vielleicht sogar gelingen, einen Teil ihrer Kreditbelastung abzubauen?

Rohwedder: Ob ein Ausgleich der Lieferungen und Bezüge, wie wir ihn in den ersten sechs Monaten dieses Jahres hatten, für 1976 insgesamt erreicht werden kann, läßt sich derzeit noch nicht sagen. Aus meinem Gespräch mit Minister Sölle in Leipzig habe ich den Eindruck, daß sich die DDR bemüht, auch im zweiten Halbjahr 1976 ein möglichst ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen.

  • Westdeutsche Kaufleute klagen immer häufiger darüber, daß die DDR auf sogenannte Gegengeschäfte dringt. Läßt dies darauf schließen, daß Erzeugnisse der DDR auf dem westdeutschen Markt immer weniger konkurrenzfähig werden?

Rohwedder: Nach meinem Eindruck ist der DDR klar geworden, daß die Bereitschaft der westdeutschen Firmen, Gegengeschäfte zu akzeptieren, Grenzen hat. Ich glaube auch, daß die Koppelung von Geschäft und Gegengeschäft die Ausweitung des Handels in der Tendenz wahrscheinlich eher hindert als fördert.

Mit Gegengeschäften versucht die DDR, sich den Zugang zum westdeutschen Markt mit Hilfe unserer Unternehmen zu erleichtern. Und andererseits versucht sie, die Liefermöglichkeiten, die durch die starke Ausrichtung ihres Handels auf die sozialistischen Länder beschränkt sind, voll auszuschöpfen.