Wer kann das Vordringen des Sozialismus verhindern?

Von Elisabeth Noelle-Neumann

Welche Fragen entscheiden die Wahl? Die Demoskopie produziert viel Zahlenmaterial dazu, aber es sind Scheinantworten.

Da ist zunächst einmal die Liste der sogenannten "Prioritäten": die Rangskala der wichtigsten politischen Anliegen der Bevölkerung. An der Spitze rangieren Preisstabilität (Juni 1976: 83 Prozent "besonders wichtig") und Verringerung der Arbeitslosigkeit (82 Prozent). Es folgen: wirksamere Verbrechensbekämpfung (73 Prozent), Sicherung der Altersrente (70 Prozent), Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung (63 Prozent), bessere Berufschancen für die Jugend (62 Prozent). Etwa in der Mitte einer derartigen Wunschliste liegt zur Zeit die deutsche Wiedervereinigung (37 Prozent), ganz am Ende: "Daß es bei uns Nationalstolz gibt wie bei anderen Völkern auch" (22 Prozent) und: "Dem Osten auch in Zukunft entgegenkommen, um die Aussöhnung zu festigen" (22 Prozent).

Die Liste liest sich interessant, aber eine Antwort auf die Frage, was die Wahl entscheidet, enthält sie nicht. Fünf Bedingungen müssen zusammenkommen, bevor ein Thema Einfluß auf den Ausgang der Wahl erhält.

Die erste Bedingung: Die Wähler müssen glauben, daß sich in der Sache etwas tun läßt, gleich oder in absehbarer Zeit. Die Wiedervereinigung kann diesmal kein besonders entscheidendes Thema sein: Die Bevölkerung glaubt nicht, daß sie sich in absehbarer Zeit erreichen läßt.