Lüneburg

Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen. Ob sich allerdings je eine lückenlose Kette von Ursache und Wirkung finden läßt, um am Ende einen oder mehrere Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen zu können, das ist mehr als fraglich. Denn die Ursachen für den Bruch des Elbe-Seiten-Kanals bei km 102,709 sind so vielseitig, daß es den Experten schwerfallen dürfte, genau den entscheidenden Fehler zu finden, der die Katastrophe ausgelöst hat.

Es geschah am 18. Juli vormittags, ganz in der Nähe des Heideortes Erbstorf. Der Anfang Juni eröffnete Elbe-Seiten-Kanal, zum Superlativ des Jahrhunderts hochstilisiert, verwandelte sich in einen "Elbe-Pleiten-Kanal". Binnen kurzer Zeit, ergossen sich an der Bruchstelle bei Erbstorf einige Millionen Kubikmeter Wasser und überfluteten Acker, Wiesen und Gehöfte der Umgebung.

Inzwischen hat die vom Verkehrsminister eingesetzte unabhängige Sachverständigengruppe unter Leitung von Professor Erich Lackner; Technische Universität Hannover, Gutachten über den Dammbruch vorgelegt. Danach "wurde der Schaden durch einen Erosionsböschungsbruch herbeigeführt, der durch einen Wasserzustrom vom Kanal her ausgelöst worden ist". Mit anderen Worten: Wasser des Kanals konnte unter die Kanaldecke sickern und so Hohlräume bilden, die schließlich einbrachen und den Damm zum Bersten brachten.

Obwohl die Ermittlungen im Verkehrsministerium wie bei der Staatsanwaltschaft auf Hochtouren laufen, läßt sich eines schon heute absehen; Sollten die beim Bau des 115 Kilometer langen Kanals beteiligten Firmen geschludert haben, so ist von denen kein Schadenersatz mehr zu bekommen. Denn die gesetzlich übliche Frist von zwei Jahren für die Gewährleistungshaftung ist abgelaufen. Das Teilstück, auf dem der Kanal brach, ist bereits 1972 übergeben worden. Für Baumängel haften die Firmen mithin nicht mehr.