Von Lars Gustafsson

Wenn ich mit meinen Freunden über das amerikanische Raumfahrzeug "Viking" rede, das im Juli auf dem Planeten Mars gelandet ist, entdecke ich zu meinem Erstaunen, daß selbst Doktoren der Philosophie in meiner Umgebung glauben, der Weg von der Erde zum Mars sei eine gerade Linie, ungefähr wie die Vogelfluglinie zwischen Västerås und Stockholm.

In Wirklichkeit ist die Bahn des Raumschiffs stark gekrümmt, sie bildet eine Teilstrecke des Umfangs einer sehr großen Ellipse. Daß es so sein muß, beruht natürlich darauf, daß beide Himmelskörper sich während der Reise des Fahrzeugs auf ihren Bahnen weit fortbewegen.

Es scheint tatsächlich so Zu sein, daß die meisten Leute sich nie damit beschäftigt haben, wie die Himmelskörper sich im Sonnensystem bewegen. Der Angestellte eines Reisebüros in Texas war ungeheuer erstaunt, als er bei der Umrechnung meines Flugtickets entdeckte, daß es nur elf Dollar mehr kostet, von Dallas nach Stockholm über Kalifornien zu fliegen, als über New York heimzureisen. Nicht einmal in den Reisebüros glaubt man im Ernst, daß die Erde rund ist.

Johannes Kepler entdeckte, daß man die Bahn eines Planeten berechnen kann, wenn man davon ausgeht, daß der Radius der Ellipse gleiche Flächen in gleichen Zeiteinheiten überstreicht. Da die Bahn elliptisch ist, läßt sich das so beschreiben, daß der Planet sich in verschiedenen Teilen der Bahn mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegt. Ein Bekannter, den ich darüber aufklärte, war richtig erschüttert.

Ich behaupte manchmal, daß alle Phänomene in der Wirklichkeit, einschließlich psychischer Zusammenbrüche, Gedichte und Verliebtheiten, im Prinzip mathematisch zu beschreiben sein müßten und daß das nicht sonderbarer sei als die Behauptung, dieselben Dinge ließen sich im Prinzip mit Hilfe der englischen Sprache beschreiben.

Solche Bemerkungen pflegen eine Empörung auszulösen, die keine politische Äußerung hervorrufen kann. Man bewirkt weniger Wutausbrüche, wenn man behauptet, die Diskussion über die Frauenfrage sei voll von Scheinargumenten und falschen Analogien mit dem Marxismus. Man kann sich fragen, woher dieser ungeheure Widerwille gegen die Mathematik rührt. Wenn man ein bißchen nachbohrt, zeigt sich fast immer, daß die Empörung der Zuhörer ihrer Weigerung entspringt, den Gedanken zu akzeptieren, daß alles meßbar sei. Sie verwechseln den Bereich der Mathematik, der von metrischen Mengen handelt, mit der gesamten Mathematik und ziehen daraus den Schluß, daß man behaupten wolle, die gesamte Wirklichkeit sei meßbar. Das macht sie wütend, und zwar aus guten Gründen, denn eine ganze Unterdrückungsmaschinerie in unserer Zeit beruht auf ähnlichen Voraussetzungen.