Es werden Leute kommen und sagen: Er beschmutzt das eigene Nest. Er sieht das voraus und sagt: Sie mögen nur kommen.

Er – das ist Professor Julius Hackethal, Doktor der Medizin, Facharzt für Chirurgie und Orthopädie, 55 Jahre alt, eigene Praxisklinik in Lauenburg an der Elbe, zugelassen zu allen Krankenkassen, sechzigmal als medizinischer Sachverständiger vor Gericht aufgetreten, wenn ärztliche Kunstfehler verhandelt wurden.

Ein enfant terrible der ärztlichen Zunft? Seinen Berufskollegen wird diese Klassifizierung zu edel sein; sie werden ihn als Aussätzigen behandeln.

Julius Hackethal hat ein Buch* geschrieben, das potentiellen Patienten Angst und Bange macht. Der Autor beschreibt an Hand von zehn Krankengeschichten, welche Fehler und Schlampereien begangen worden sind, die zu Tod oder Siechtum von Patienten geführt haben. Hier wäre der erste Einwand fällig: Wem nützt das? Fehler werden überall gemacht – sind Chirurgen davon ausgenommen?

Gewiß nicht. Hackethal billigt sich und seinesgleichen das Recht auf Fehler zu wie jedem anderen Menschen. Aber er erhebt im gleichen Atemzug schwere Vorwürfe: Die Fehler, die Mediziner machen, werden vertuscht, koste es, was es wolle, Hackethal stellt die Moral seines Standes in Frage: "Die bundesdeutschen Berufsverordnungen haben um die Ärzte einen Schutzwall gezogen, der auch Pfuscher, Betrüger und Gewissenlose, die es ja in jedem Beruf gibt, zuverlässig schützt. Jeglicher Fehlervorwurf gegen einen Kollegen ist verboten, mag er noch so notwendig und berechtigt sein."

Für diese Behauptung bringt er Beispiele: Da stirbt eine gesunde Sechzehnjährige 39 Stunden nach einer Blinddarmoperation an "Herzversagen". Jedenfalls wird dies den Eltern als Todesursache mitgeteilt, und wenn die das geglaubt hätten, dann wäre es bei dieser Lüge geblieben. Die Eltern forschten aber nach und fanden in zweijähriger mühseliger Arbeit heraus:

Das Mädchen war an einer Bauchfellentzündung gestorben, weil der Operationssaal mit gefährlichen Keimen verseucht war. Als erster Patient war nämlich an diesem Tag ein Mann mit einem in die Bauchhöhle durchgebrochenen Magenkrebs operiert worden. In dem von Bakterien verschmutzten Raum holte sich anschließend die Blinddarm-Patientin eine tödliche Infektion. Vier nach ihr Operierte starben beinahe.