Beachtlich

"Die Sonntagsfrau" von Luigi Comencini. Mit zertrümmertem Schädel wird ein anrüchiger Architekt in der Fiat-Stadt Turin aufgefunden. Kommissar Santamaria (Marcello Mastroianni) nimmt die Ermittlungen auf. Regisseur Luigi Comencini hat diesen Mordfall nach einem italienischen Roman Bestseller mit Raffinement und Spannung in Szene gesetzt. Hinter der Folie vordergründigkrimineller Intrige zeichnet er das Soziogramm einer in Arroganz, Egozentrik und Indifferenz erstarrten "High Society", die mit der gleichen lässigen Nonchalance Diskussionen über korrekte Aussprache führt wie sie Existenzen zerstört. Comencini, von der französischen Kritik schon lange als exzellenter Satiriker gerühmt, ist mit diesem Film eine Komödie gelungen, die leise Ironie und bösartig bitterem Witz verbindet. Helmut W. Banz

"Duell am Missouri" von Arthur Penn. Ein Spät-Western par excellence, eine melancholische Ballade über eine kleine Gruppe von Viehdieben, die in den "Missouri Braks" (so auch der Originaltitel) kläglich zugrunde geht: gehetzt von den selbstgerechten Puritanern der neuen Zeit, die einen exzentrischen Kopfgeldjäger auf die armseligen Desperados ansetzen. Auch in diesem Film bleibt Penn seinem zentralen Thema treu, liefert, wie schon in "Bonnie und Clyde" oder "Alice’s Restaurant", ein sensibles, lyrisches Porträt gesellschaftlicher Außenseiter. Dennoch merkt man dem Film an, daß er als Auftragsarbeit entstanden ist, als Plattform für die beiden Superstars Brando und Nicholson. Während Nicholson seinen Part als Viehdieb noch halbwegs diszipliniert spielt, führt Brando seine schaurigsten Mackenaus dem "Actor’s Studio" vor.

Empfehlenswerte Filme:

"Buffalo Bill und die Indianer" von Robert Altman. "Die letzte Frau" von Marco Ferreri. "Familiengrab" von Alfred Hitchcock. "Barry Lyndon" von Stanley Kubrick (S. 46). H. C. B.