Bei Conti-Gummi läuft das Geschäft wesentlich schlechter, als es den Aktionären auf der Hauptversammlung in diesem Sommer dargestellt worden war.

Im ersten Halbjahr 1976 sind bei der Conti Gummi-Werke AG, Hannover, die Unternehmensziele nicht erreicht worden. Das teilte Vorstandsvorsitzender Carl H. Hahn auf einer Betriebsversammlung mit. Die Gesellschaft ist in den roten Zahlen geblieben. Da sich vermutlich daran bis zum Jahresschluß nichts ändern wird, können die Aktionäre auch für 1976 ihre Dividendenhoffnungen begraben. Hahn sieht den Grund für diese negative Entwicklung in dem ungenügenden Absatz von Ersatzreifen. Hier sei die Situation Weiterhin durch Überkapazitäten gekennzeichnet, die zu harten Preiskämpfen führen. Daher blieb trotz um 9,1 Prozent gestiegener Umsätze und einer gegenüber dem Vorjahr gewachsenen Betriebsleistung pro Kopf der Belegschaft das Betriebsergebnis weiterhin negativ. Angesichts dieser Situation mehren sich die Stimmen, die eine Strukturbereinigung der deutschen Reifenindustrie durch Zusammenlegung von Conti-Gummi und der Phoenix Gummiwerke AG, Hamburg, fordern. Sie könnte zu einer Konzentration der Produktion und damit zu weiteren Kosteneinsparungen führen.

*

Die Norddeutsche Landesbank muß ein zweites Mal Bußgeld wegen Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz zahlen.

Die Norddeutsche Landesbank in Hannover muß 1,5 Millionen Mark Bußgeld an die Oberfinanzdirektion Hannover zahlen. Das Institut hat 1973 gegen das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen. Wegen ähnlicher Vergehen hatte die Bank bereits eine Strafe von einer Million zahlen müssen. Gegen das zuständige Vorstandsmitglied Dr. Gerd Werninger war ein persönliches Bußgeld von 15 000 Mark verhängt worden. Werninger wurde "mit Pension" in Pension geschickt. Bei den neuerdings aufgedeckten verbotenen Geschäften, die diesmal ohne Wissen des: Vorstandes vorgenommen wurden, handelt es sich um Veräußerung inländischer Wertpapiere an "Gebietsfremde", was seinerzeit verboten war.

Die Oetker-Gruppe zieht sich aus dem internationalen Rohstoffhandel zurück.

Grund für die Aufgabe: Der Handel, zunächst nur auf den Eigenbedarf der Gruppe zugeschnitten, hatte in den letzten Jahren ein starkes Eigenleben entwickelt, dessen Risiko durch die nach der Ölkrise aufgeblähten Rohstoffpreise eine Höhe erreichte, die angesichts der minimalen Gewinnchancen nicht zu rechtfertigen war. Der Rückzug aus dieser Sparte ist auch der Hauptgrund für Schrumpfung des Umsatzes der Gruppe im vergangenen Jahr von 3,43 auf 3,07 Milliarden Mark. In diesem Jahr werden noch einmal rund 400 Millionen Mark Umsatz ausgebucht werden müssen. Der Abschied von Risiken fällt der Gruppe um so leichter, als sich die Bilanzsumme weiter von 3,56 auf 3,7 Milliarden Mark erhöht hat, das haftende Eigenkapital jedoch mit 165,9 Millionen Mark fast gleichgeblieben ist. Für den Konzernchef Rudolf A. Oetker ist diese Entwicklung unbefriedigend. Sein Generalbevollmächtigter Dr. Guido G. Sandler definiert dagegen das 1975er Konzernergebnis als "ganz ordentlich". Tatsächlich hat die Gruppe im vergangenen Jahr über Sonderabschreibungen wieder viel für ihre innere Stärkung tun können. Daß Oetker "nach vorn" denkt, kommt in den Investitionen zum Ausdruck. 1975 haben sie sich mit 327 Millionen fast verdoppelt, in diesem Jahr sollen es sogar 500 Millionen werden.