Die Vereinten Nationen erleben eine deutsche Premiere. Zum erstenmal seit der Aufnahme vor drei Jahren versucht sich die Bundesrepublik an einer großen Initiative – und das gleich auf einem ungewöhnlich schwierigen politischen Feld: in der Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Außenminister Genscher bemüht sich, eine Konvention gegen die Geiselnahme zu erreichen.

Der Bonner Außenminister hat seit mehreren Monaten in zahllosen Sondierungsgesprächen erkundet, wie weit andere Staaten bereit sind, sich in dieser heiklen Frage zu engagieren. Dabei stellte sich heraus, daß ein Vorstoß zur prinzipiellen Achtung des Terrorismus wenig sinnvoll gewesen wäre. Die Vereinten Nationen hätten sich vermutlich nur in eine nutzlose Diskussion darüber verstrickt, wann und unter welchen Umständen Gewalt in Terrorismus umschlägt.

Genschers Methode, sich auf die Praxis zu beschränken, also auf die Bekämpfung einer ganz bestimmten Form des Terrorismus, scheint mehr Erfolg zu versprechen. Ob sich tatsächlich alle Länder an die geplante Konvention, Geiselnehmer entweder selbst vor Gericht zu stellen oder sie an ihr Herkunftsland auszuliefern, später auch halten werden, mag man bezweifeln. Aber wenn die Vereinten Nationen in einer Konvention die deutsche Initiative aufgreifen, wäre das immerhin ein winziger Schritt in die richtige Richtung. Im übrigen hat die Initiative gute Chancen – nicht zuletzt deshalb, weil sie die UN nicht mit deutschen Querelen traktiert, sondern ein Thema behandelt, das allen Sorgen bereitet. -d