DIE ZEIT

Affären statt Politik

Die Politik der Bundesregierung droht allmählich von den Affären der Regierungsparteien erdrückt zu werden. Man mag es Pech nennen, wenn sie sich ausgerechnet in den letzten Wochen vor der Wahl mit einer ganzen Serie davon herumschlagen muß.

Gegen Terror

Die Vereinten Nationen erleben eine deutsche Premiere. Zum erstenmal seit der Aufnahme vor drei Jahren versucht sich die Bundesrepublik an einer großen Initiative – und das gleich auf einem ungewöhnlich schwierigen politischen Feld: in der Bekämpfung des internationalen Terrorismus.

Zeitspiegel

Nicht nur die Sowjets haben Pech mit ihrer modernsten Luftrüstung (die in Japan gelandete MiG 25 wird sehr gründlich untersucht); auch die Vereinigten Staaten fürchten, daß der Gegner dazugelernt hat.

Sicher ist noch immer nichts

Spielstand drei Wochen vor der Wahl: Die Koalition liegt vorn. Jedenfalls glauben das Sozialdemokraten und Liberale. Auch die Kohl-Mannschaft glaubt, daß noch "alles drin" ist.

Wolfgang Ebert: Home, Sweet Home

Herr Struß ließ erschöpft seine Aktenmappe sinken: „Wenn du’s genau wissen willst: ich habe in zwölf Tagen 57 Wahlkundgebungen absolviert, gestern in Goslar, Hildesheim, Osnabrück, Göttingen und Uelzen gesprochen, und morgen muß ich zu einer Großkundgebung nach Kassel.

Umfragen: Die entscheidenden Themen

Da ist zunächst einmal die Liste der sogenannten „Prioritäten“: die Rangskala der wichtigsten politischen Anliegen der Bevölkerung.

Gleichheit der Wahlen: Die berühmten fünf Prozent

Der Inhalt der Wahlgleichheit wird häufig mit dem Grundsatz der Allgemeinheit der Wahlen verwechselt. Dabei ist der Unterschied klar: Allgemeinheit der Wahl fordert, daß grundsätzlich alle Bürger wählen dürfen; Gleichheit der Wahl bedeutet, daß alle Bürger, die im Besitz des Wahlrechts sind, die gleiche Stimmenzahl haben.

BONNER BÜHNE: Keine Sau im Dorf - es war nur ein Ferkel

Eine Sau läuft durchs Dorf“, riefen sich am Dienstag in der Früh erschreckte Freie Demokraten zu. Am Nachmittag stellte sich heraus, daß die mit diesem Alarmruf angekündigte Affäre bescheidene Ausmaße aufweist; es handelte sich nur um ein kleines Ferkel.

Absturz über Zagreb

176 Menschenleben forderte der Zusammenstoß zweier Verkehrsflugzeuge in 10 000 Meter Höhe über Zagreb. Eine DC 9 der jugoslawischen Chartergesellschaft „Inex Adria“ mit 107 deutschen Urlaubern an Bord kollidierte auf dem Flug von Split nach Köln-Wahn mit einer britischen „Trident“, die von London nach Istanbul unterwegs war.

Aufschub statt Aussöhnung

Ein Kniefall, eine Umarmung und tränenvolle Rührung zweier hochbetagter Männer, die beide gramvoll auf ihre Kirche schauen, um deren Schicksal in der modernen Welt sie bangen: Das war am vergangenen Wochenende in Castel Gandolfo der vorläufige Höhepunkt, doch keineswegs der Schlußpunkt im Konflikt zwischen dem 79jährigen Papst Paul VI.

Madrid kündigt Reformprogramm an

Das am Sonntag in Madrid veröffentlichte Gesetzesprojekt, das Ministerpräsident Adolfo Suarez am Freitagabend im Fernsehen erläutert hatte, sieht baldige freie Wahlen vor (auf jeden Fall vor dem Juni 1977).

Krisenherd Afrika: Schwarz mobilisiert gegen Weiß

Ganz plötzlich ist das südliche Afrika zur Arena der Völker geworden. Asien, dessen künftige Gestalt während des Vietnamkrieges die Welt bewegte; der Nahe Osten, der dreimal in den letzten dreißig Jahren die Weltmächte gegeneinanderstellte; Europa, das eine ganze Generation lang die gefährlichste Konfliktzone der Welt war – sie alle sind in den Hintergrund gerückt.

Wahlkampf in Amerika: Carter bläst mehr Wind ins Gesicht

Fänden die amerikanischen Wahlen in dieser Woche statt, dann wäre Jimmy Carter der haushohe Sieger. Diese Behauptung stellt das den Republikanern zuneigende Wochenmagazin US News and World Report just zu einem Zeitpunkt auf, da Carters Sache überall im Lande zunehmend skeptischer beurteilt wird.

Justiz in eigener Sache: Anklage gegen den Ankläger

Drei volle Sitzungstage sind für den Prozeß gegen den Rechtsanwalt Otto Schily vorgesehen. Er wird kaum Aufsehen machen. Er findet statt in einem der gegen Terroranschläge besonders gesicherten Säle des Krimi – nalgerichts Berlin-Moabit, die für die ersten Baader-Meinhof-Verfahren hergerichtet wurden.

Portugal: Soares unter Druck

Liebenswürdig und höflich, also in bester portugiesischer Manier, aber mit ganz unportugiesischer Entschlossenheit erteilte Staatspräsident Eanes dem sozialistischen Ministerpräsidenten Soares eine Rüge: Die vom Regierungschef vorgelegte Erklärung sei zu wenig konkret, im programmatischen Teil unzureichend und der düsteren wirtschaftlichen wie innenpolitischen Situation in keiner Weise angemessen.

Reklamespot: Nur am Rande

Plötzlich ist sie so etwas wie eine Person der Zeitgeschichte, genauer: am Rande der Zeitgeschichte. Seit dem Beginn der heißen Wahlkampfphase stellt Gisela Wicke in den Fernseh-Werbespots der SPD an niemand geringeren Fragen als an den Kanzler Helmut Schmidt.

Radikale im öffentlichen Dienst: Post aus DKP-Hand

Bald werden Fernseh-Reporter durch die Frankfurter City streifen und Anwohner befragen, ob sie daran Anstoß nehmen, daß der junge Mann, der ihnen die Post zustellt, Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei ist.

Neuwahlen am Brahmsee: Weil der Krämer „versackte“

Am Sommersitz des Kanzlers ist es jetzt mit der Gemütlichkeit vorbei. Wenige Tage, nachdem Helmut Schmidt aus der Idylle am Brahmsee in den Wahlkampf gezogen war, entstand in seinem Urlaubsort Langwedel eine kommunale Kabale, die nicht ohne Folgen sein wird.

Elbe-Seiten-Kanal: Die Frist ist abgelaufen

Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen. Ob sich allerdings je eine lückenlose Kette von Ursache und Wirkung finden läßt, um am Ende einen oder mehrere Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen zu können, das ist mehr als fraglich.

BONNER KULISSE

Daß Forschungsminister Hans Matthöfer sich nicht ungern ins Gespräch bringt, wird er nicht bestreiten können, daß er aber ausgerechnet sich selbst als möglicher Finanzminister und damit Nachfolger von Hans Apel nach der Bundestagswahl im Oktober ins Gerede brachte, kann ihm wirklich niemand nachsagen.

Helaba-Affäre: Herrn Osswalds Geschäfte

Albert Osswald hatte sich zu früh gefreut; seine an der Wahlfront kämpfenden Genossen hatten zu früh aufgeatmet. Die im Zusammenhang mit den Milliarden-Verlusten der Hessischen Landesbank (Helaba) gegen den hessischen Ministerpräsidenten und früheren Vorsitzenden des Helaba-Verwaltungsrates erhobenen Vorwürfe, die gerade erst vor vier Wochen zum Teil entkräftet schienen, sind nun besser begründet als jemals zuvor wieder aufgetaucht.

Filzokratie im Kohlenpott?

ZEIT-Gespräch mit Kurt Biedenkopf und Karl Hauenschild über den Vorwurf des gewerkschaftlichen Machtmißbrauchs

Karl Hauenschild, Vorsitzender der IG Chemie:: Vorwürfe sind schlicht falsch

ZEIT: Herr Hauenschild, die Gewerkschaften haben in ihrer Erklärung zu der Dokumentation Biedenkopf des „hemmungslosen Vorgehens“ gegen die Arbeitnehmerorganisationen beschuldigt, auf die konkreten Vorwürfe über Machtmißbräuche aber etwas wehleidig und unter Hinweis auf ihre großen Verdienste in der Vergangenheit geantwortet.

"Dat war hier immer so..."

Da hat sich de Biedenkopf ganz schön ein Eigentor vor de Latte geknallt, mein lieba Scholli – bei uns Arbeiter im Revier kanner sich jetzt aber nur noch de rote Karte abholen.

Belgien: Politik wie in Schilda

Für die immer wiederkehrenden Grundsatzdebatten über Sinn und Unsinn einer Indexbindung von Preisen und Löhnen bietet Belgien in diesen Wochen wieder reichhaltiges Anschauungsmaterial.

BUCH DER WOCHE

Garantiegemeinschaft für Mitarbeiterbeteiligungen. Eine Untersuchung der Bedürfnisse und Möglichkeiten, kapitalmäßige Beteiligungen von Arbeitnehmern am Beschäftigungsunternehmen für den Konkursfall abzusichern.

„Die DDR bemüht sich...“

Rohwedder: Ich gehe davon aus, daß dieser Handel, der inzwischen ein Volumen von rund 7 1/2 Milliarden Mark erreicht hat, weiter zunimmt.

ZEITRAFFER

Die Deutsche Mark, nach dem Schweizer Franken derzeit die zweithärteste Währung überhaupt, könnte schon bald die härteste werden.

An der Börse blüht das Wahlgeschäft

Zu Beginn dieser Woche wurde die CDU/CSU zum Preis von 48 1/4, die SPD zu 42 und die FDP zu 8 gehandelt. Gemeint sind damit die Stimmen-Prozentsätze, die bei der kommenden Bundestagswahl nach Ansicht der Käufer die Parteien höchstens erreichen.

Vorbild Wolfsburg

Trotz sozialer Konflikte und veralteter Modelle: British Leyland rüstet zur Export-Offensive

Zeit spart Geld

Für die knapp 100 000 Aktionäre der PRO Verbraucher AG, der früheren Hamburger „Konsumgenossenschaft „Produktion“, steht eine wichtige Änderung bevor.

Firmen und Fakten

Im ersten Halbjahr 1976 sind bei der Conti Gummi-Werke AG, Hannover, die Unternehmensziele nicht erreicht worden. Das teilte Vorstandsvorsitzender Carl H.

Viele kleine Revanchisten

In den neun Ländern der Europäischen Gemeinschaft (EG) gibt es mehr multinationale Unternehmen als in den Vereinigten Staaten.

Europas Industrie ist zum Angriff auf die Vormachtstellung der amerikanischenWirtschaft angetreten. So die These der beiden englischen Autoren. Am Beispiel der Schweizer Banken beleuchten sie die unterschiedliche Einstellung der Europäer und Amerikaner zum Geld: Horchposten im Land der Gnomen

Die Schweizer Bankiers sind in der Welt alles andere als beliebt, mit Ausnahme vielleicht in jenen arabischen Ländern, deren regierende Familien Plätze zu schätzen wissen, wohin sie ihr Raubgut in Sicherheit bringen können.

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