Von Rudolf Walter Leonhardt

Die Presse hat in keinem Land den besten Ruf, gemessen etwa am Ruf der Wissenschaft. Viele spüren das: Es gibt da einen Widerspruch zwischen Journalismus und Wahrheit. Viele Journalisten beschäftigt dieser Widerspruch, seit sie das Handwerk ausüben.

Dabei wird viel weniger "gelogen" in Zeitungen, als mancher verbitterte Zeitungsleser meinen mag. Vermutlich nicht deswegen, weil Journalisten bessere Menschen wären. Es gibt auch unter ihnen alle Sorten. Viel eher deswegen, weil Lügen in der Zeitung sich nicht auszahlt: Irgendeiner unter Tausenden von Lesern merkt es immer, und einer von den vielen Irgendeiners ist. dann auch immer einmal wieder stark genug, Lügner zu entlarven. Im Zweifelsfalle: ein Kollege von der Konkurrenz. Eine wiederholt offensichtlichen Lügens überführte Zeitung wird nicht mehr ernst genommen.

Wo es vielseitig informierte Leser und journalistische Konkurrenz nicht gibt, liegt alles anders. Hier jedoch ist nicht von staatsgesteuerter und -zensierter Presse die Rede, die ist ein Problem für sich, sondern von Journalismus in einer sogenannten freien Welt.

Die andere Seite: Ohne eine einigermaßen fest umrissene Vorstellung von "Wahrheit" kann es Journalismus gar nicht geben, weil es ohne eine solche Vorstellung überhaupt keine Kommunikation geben kann, und erst recht keine "Massenkommunikation". Wenn man sich nicht darauf verlassen könnte, daß ein Schreiber (ungefähr) das gemeint hat, was ein Leser (ungefähr) beim Lesen versteht, daß also beide wahre Beschreibung von Ereignissen für möglich halten, dann wäre Schluß, aus. Jeder vegetierte dann nur noch als Monade, ohne Fenster.

Worauf also beruht die wahre Beschreibung eines Sachverhaltes, und was macht sie so schwierig, daß man schier verzweifeln möchte, wenn man lange genug darüber nachdenkt?

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