Von Heribert von Koerber

Eine beunruhigende Meldung kommt aus den USA. Dort warnen Wissenschaftler des National Cancer Institute New York vor der Vorsorge-Mammographie, weil sie möglicherweise Krebs verursache. Die Wissenschaftler empfahlen sogar einen Stopp der Mammographie. Das löste bei den mammographierten Frauen geradezu eine Panik aus. Die Vorsorgezentren wurden bestürmt mit der Frage, ob die Mammographie tatsächlich Brustkrebs auslösen könne. Andere Frauen, unter ihnen Patientinnen mit den Symptomen möglicher Krebserkrankungen, sagten die Termine für die Vorsorgeuntersuchung ab.

Die Frauen in der Bundesrepublik sind zwar gegen solche Meldungen weitgehend abgehärtet, aber sicherlich nicht immun. Zum Beispiel hatte der seit 15 Jahren andauernde Feldzug gegen die angeblich so gefährliche Antibabypille, die den Tod durch Thrombose, sowie Krebserkrankungen, Blindheit, Haarausfall, Sterilität, Geisteskrankheiten und wer weiß was noch verursachen soll, zunächst dazu geführt, daß bis zu 400 000 Frauen in einem Quartal die Pille absetzten. Ein halbes Jahr später allerdings hatten die Frauen sich von dem Schreck erholt. Mehr als zuvor nahmen die Pille.

Wird die Warnung vor der Mammographie bei uns ähnliche Auswirkungen haben? Um die Warnung zu verstehen, muß man den Unterschied zwischen Vorsorge-Mammographie und krebsindizierter Mammographie kennen. Bei Krebsverdacht ist die Notwendigkeit einer Röntgenaufnahme der Brust auch unter amerikanischen Ärzten unbestritten. Auf eine bloße Vorsorge-Mammographie aber sollten die Frauen im Alter zwischen 35 und 50 Jahren verzichten. So die Empfehlung der amerikanischen Wissenschaftler.

Der Grund für die Vermutung, die Mammographie könne bei gesunden Frauen Krebs auslösen, bezieht sich auf die Auswertung einer amerikanischen Massenstatistik. Bei bloßer Auszählung hat sich nämlich herausgestellt, daß die Sterblichkeit der brustkrebskranken Frauen in den USA mit oder ohne Vorsorgeuntersuchung gleich hoch ist.

Die amerikanischen Wissenschaftler also befürchten, die Vorsorge-Mammographien könnten mit ihren Strahlenbelastungen möglicherweise noch ein Jahrzehnt danach oder später Brustkrebs auslösen. Deshalb empfiehlt die Forschergruppe den 35- bis 50jährigen Frauen den Verzicht auf diese diagnostische Methode. Danach würden den Frauen nur noch zwei Untersuchungsmethoden bleiben: der Tastbefund und die Thermographie. Allerdings, sie erreichen nicht den Aussagewert der Mammographie.

Was bedeutet die amerikanische Stopp-Empfehlung nun für die Frauen in der Bundesrepublik? Diese und weitere Fragen stellten wir dem Hamburger Frauenarzt Dr. Hans Harald Bräutigam, Direktor des Marienkrankenhauses.