Eine Sau läuft durchs Dorf", riefen sich am Dienstag in der Früh erschreckte Freie Demokraten zu. Am Nachmittag stellte sich heraus, daß die mit diesem Alarmruf angekündigte Affäre bescheidene Ausmaße aufweist; es handelte sich nur um ein kleines Ferkel. Der stern hatte eine Geschichte veröffentlicht, worin sich ein CDU-Helfer namens Stulle rühmte, er habe dem CDU-Ministerpräsidenten Albrecht die Stimmen von drei FDP-Abgeordneten verschafft. Ein Freund von Stulle nannte Namen: Gustav Ernst, Kurt Rehkopf, Peter-Jürgen Rau.

Natürlich erklären die Abgeordneten, diese Behauptung sei falsch. Und in der FDP verlautet, Kenner der politischen Landschaft in Niedersachsen wüßten, was sie von Stulle zu halten hätten: Er habe damals auch dem FDP-Fraktionsführer Gross und dem SPD-Chef Oertzen angeboten, die nötigen Stimmen zur Mehrheit zu liefern. Interessant sei vielmehr, wie Albrecht in die Gesellschaft von Stulle geraten sei. Ein CDU-Sprecher: "Das ist doch ein Wahnsinniger."

Die Fähigkeit der Opposition, in die Schlagzeilen zu kommen, hat das Bundespresseamt nicht ruhen lassen. Mit ihrer Klage vor dem Verfassungsgericht, die Bundesregierung verstoße mit ihrer als Öffentlichkeitsarbeit getarnten Wahlreklame gegen das Verfassungsgebot der Chancengleichheit, hatte die Opposition wahrscheinlich mehr Wirkung erzielt als das Presseamt mit seinen Anzeigen. Jetzt, etwas spät, wurde Journalisten die Entgegnung der Bundesregierung auf die Klage erläutert.

Das Dokument, in das die Arbeit einer halben Kompanie von Beamten einfloß, ist akribisch genau und, so scheint es, in vielen Details zuverlässiger als die Klageschrift. Genüßlich stellte Werner Müller, Leiter der Inlandsabteilung des Presseamts, fest: "Darin stimmt fast keine Zahl." Die Behauptung ist nicht sehr übertrieben.

Freilich läßt sich damit kaum der ungünstige Eindruck korrigieren, den die Anzeigenserie der Bundesregierung hervorgerufen hat. Auch wenn beweisbar ist, daß frühere Regierungen in vergleichbarem Umfang ähnliche Anzeigen einrückten und auch wenn die Steigerungsrate der Mittel für Öffentlichkeitsarbeit von 1969 bis 1976 unter dem Haushaltsdurchschnitt blieb und selbst von 75 auf 76 (zwölf Prozent) nicht alarmierend zugenommen hat – der Eindruck massiver Wahlbeeinflussung hat sich festgesetzt.

Warum die Aktion der Bundesregierung so in die Augen stach, erklärt man sich im Regierungslager so: "Die Anzeigen wurden alle in einem Schwung zwischen Mai und Juli veröffentlicht – in einer Zeit, als an politischen Anzeigen nichts auf dem Markt war."

Der Traum von der politisch neutralen katholischen Kirche war schön und kurz. Vor einer Woche noch hatte die Koalition die Äußerungen des Prälaten Homeyer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, als "konstruktiven Beitrag zum politischen Meinungsprozeß der Bürger" begrüßt. Anlaß der Freude war. seine Antwort auf die Frage, ob alle Parteien gleich wählbar für die gläubigen Katholiken seien. Sie lautete: "Ja, ich würde das eindeutig sagen. Jene, die eindeutig auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, sind im Prinzip wählbar."