Dem Management des Nacktmagazins stehen unter dem neuen Boß harte Zeiten bevor

Fünf Monate nach dem Rücktritt Hugh Hefners als Präsident der Playboy Enterprises Inc. hat nun der Vergnügungskonzern einen neuen Chef: Derick J. Daniels soll das finanziell angeschlagene Unternehmen, das im vergangenen Jahr das schlechteste Ergebnis in seiner Geschichte erwirtschaftete, wieder flottmachen. Der neue Kurs, so verlautet aus der Playboy-Zentrale in Chicago, sei "auf Expansion gerichtet, vornehmlich im Bereich des Journalistischen".

Dafür bringt der neue Mann, nach dem der sprunghafte und führungsschwache Konzerngründer seit über einem Jahr suchen ließ, gute Voraussetzungen mit. Daniels begann als Reporter beim Miami Herald und kam dann über die Detroit Free Press als Abteilungspräsident zur Chicago Tribune und reüssierte schließlich zum Vizepräsidenten bei Knight Newspapers, einer Verlagsgruppe, die im Mittelwesten der USA 32 Tageszeitungen besitzt.

Für das Playboy-Management brechen mit dem neuen Boß sicher härtere Zeiten an. Es war unter Hefners selbstherrlicher Führung zu einem Haufen von "lieben, netten Kerlchen" entartet, denen – so sagen Kenner des Hauses – "das Jasagen so leicht über die Lippen geht wie der Bourbon Whiskey Marke Grand Old Dad".

Tatenlos hatten sie in den vergangenen Jahren zugesehen, wie Hefner, im Bemühen seine Philosophie des Lebensgenusses möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, sich immer mehr verlustbringende Geschäftszweige angliederte und im Gestrüpp seines Amüsierkonzerns allmählich die Übersicht verlor.

So machte Hefner, der von sich selbst sagte, "im Herzen ein Idealist und Romantiker" zu sein, mit seinen vier Playboy-Hotels in den USA und Jamaika in den vergangenen fünf Jahren einen Verlust von 14,4 Millionen Dollar. Drei der Luxusherbergen stehen jetzt zum Verkauf. Das 456 Zimmer große Playboy-Plaza in Miami Beach, im Jahr 1970 für 13,8 Millionen Dollar erworben, konnte er vier Jahre später nur zum Einstandspreis wieder losschlagen.

Und ohne die gut florierenden Etablissements in Großbritannien würde auch die Kette der 22 Playboy-Clubs rote Zahlen schreiben. Die Hoffnung auf betuchte, amüsierfreudige Dauergäste erfüllte sich nicht. "Die meisten sind Touristen, die einmal kommen, um unsere Häschen anzugaffen. Dann sieht man sie nie wieder", klagte Hefner über die Besucher. Glücklos operierte er zudem im Film- und Schallplattengeschäft. Hier büßte er in fünf Jahren, unter anderem mit den Streifen "Macbeth" und "Der nackte Affe", insgesamt zwölf Millionen Dollar ein.