Im Kampf um die Schwergewichts-Weltmeisterschaft schlug Muhammad Ali am 24. September 1974 in Kinshasa, Zaïre, den seinerzeit regierenden World Champion George Foreman in der achten Runde k.o. Manche von uns sind damals nachts aufgestanden und erinnern sich: Ali in den Seilen, pendelnd...

Das Datum haben wir aus dem Archiv. Wir konnten es nicht finden in dem Bericht von –

Norman Mailer: "Der Kampf", aus dem Amerikanischen von Gisela Stege; Verlag Droemer Knaur, München, 1976; 247 S., 29,80 DM.

Es ist ein neuer Journalismus, in dem der "jour" seine Wichtigkeit verloren zu haben scheint. Und so hat ihn der Theoretiker dieser Art zu schreiben, der junge Amerikaner Tom Wolfe, auch genannt: New Journalism. Ihm wird, seit Watergate, der "investigative journalism" entgegengestellt. Dem Reporter als Künstler, dem Daten nicht so furchtbar wichtig sind, tritt gegenüber der Reporter als Kriminalist, für den exakte Daten entscheidende Bedeutung haben.

Norman Mailer, nie ein Freund unnötiger Bescheidenheit, läßt sich den Literaturchampion von Kinshasa" nennen und nennt sich dann selber so – mit ein wenig Selbstironie, gewiß. In einem engeren Sinne stimmt das sogar. Mailer ist der Champion des New Journalism, viel mehr als Tom Wolfe, der ein verhinderter Lyriker geblieben ist, oder als Truman Capote, der sich als New Journalist nur einmal ausgewiesen hat, da allerdings glänzend: durch die Mörder-Analyse "In Cold Blood" ("Kaltblütig", Limes Verlag, Wiesbaden, 1966).

Von Mailer hingegen stammen die aufsehenerregenden Zeugnisse des New Journalism: "Heere aus der Nacht", Schilderung eines Protestmarsches von 1967; "Auf dem Mond ein Feuer", Bericht von den Weltraumfahrern, und eine Biographie der "Marilyn Monroe". Liest man ihn nach all dem wieder, so wird klar, daß auch der Roman "Die Nackten und die Toten", der den damals Fünfundzwanzigjährigen weltberühmt gemacht hat, nicht Belletristik war, sondern New Journalism; freilich gab es den Begriff damals noch nicht.