"Der kleine Nick und die Mädchen", von Goscinny (Text) und Sempé (III.): "Marie-Hedwig ist ein Mädchen, aber sie ist trotzdem sehr nett", sagt der kleine Nick und geht im blauen Matrosenanzug etwas beklommen zur Geburtstagsfeier der kleinen Nachbarin. Die trägt ein weißes Kleid "ganz voll kleiner Falter", wie der gesamte Schwarm schwatzender, kichernder kleiner Mädchen "mit ganz doofen Geschenken". Nick muß mit artig spitzem Clownshütchen und Gummiband eine stinklangweilige Kinderparty überstehen (er ist der einzige Junge), fast ein Gedicht aufsagen, Klavierspiel, Singen, Kichern und Gezänke ertragen und zuguterletzt sogar mit Blandine tanzen. "Ich hab’ gedacht, wenn meine Kameraden mich so seh’n, muß ich auf ’ne andere Schule gehen". Als der Vater ihn abends fragt, ob er sich denn gut amüsiert hat, fängt der kleine Nick an zu heulen und darf zum Trost für die verpatzte Einladung mit Papi in einen prima Cowboyfilm.

Das ist nur eines von siebzehn Kapiteln des Asterix-Autors Goscinny, der wieder einmal hinreißend erzählt, begleitet von unübertrefflichen Illustrationen des Sempé. Das Ganze ist aus dem Französischen hervorragend übersetzt von Hans-Georg Lenzen. Goscinny und sein komischer Held haben inzwischen zurecht so viele Fans, daß jeder neue Band in der Reihe "Diogenes Kinder Klassiker" neugierig und mit Herzflattern erwartet wird. Wenn es sich auch keineswegs – wie der Titel verheißt – nur um Mädchengeschichten dreht, ist diese Sammlung wieder so komisch, so schön und treffend, wie man sich mehr Bücher für Kinder wünschte. (Diogenes Verlag, Zürich; 141 S., 12,80 DM) U. B.

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"Drei-Minuten-Geschichten", von Hanna Hanisch. Mit diesem Band setzt der Verlag die Herausgabe von Kinderbuchtexten fort, die eigentlich mehr für Erwachsene bestimmt sind, sei es, um sie Kindern vorzulesen, sei es, um sie für Kinder umzugestalten oder gar um sie als Anregung zur Eigenproduktion nach "Muster" zu verwenden (Heinrich Hannover: "Der müde Polizist", rotfuchs 81; Gianni Rodari: "Hallo, hier ist Papa!" rotfuchs 97). Hanna Hanisch verzichtet nicht darauf, in die meisten Geschichten eine kleine Wahrheit, auch aus der Welt der Erwachsenen, zu verpacken – zum Beispiel: Das Neue ist nicht immer besser als das Alte; selber aufpassen ist besser; mit der Nachahmung der Mächtigen hat man noch nicht Anteil an ihrer Macht. Daß die Geschichten ihre Problemchen nicht "verarbeiten", sondern daß sie mehr als Anregungen zu Nachdenken und Gespräch verstanden sein wollen, liegt an ihrer Kürze. Im allgemeinen ist der Band amüsant und phantasieanregend für Kinder und trifft mit seinen lustigen Namen und Wortspielen und den vielen Wiederholungen auch den Stil recht gut, den Kinder schätzen, (rororo rotfuchs 107, Rowohlt Verlag, Reinbek; 63 S., 3,80 DM) M. D.

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"Königin Elizabeth war immer zu den Mäusen nett", von Alexandra E. Sheedy. Die Autorin war dreizehn Jahre als, als sie diese phantastische Geschichte von Mäusen und mittelalterlicher Hofgesellschaft schrieb, und es ging ihr nicht um historische Treue, sondern gerade um das, "was nicht in den Geschichtsbüchern steht". So ist eine reizvolle kleine Geschichte um Essex und seiner Liebe zu der großen Elizabeth, seinen Leichtsinn und ihre Eifersucht entstanden, in der Geschichte wieder zu Geschichten von Menschen aufgelöst wird. Der amerikanischen Autorin ist es gelungen, mit ganz einfachen Sätzen und Bildern quasi aus der Mäuseperspektive eine komplizierte Liebesgeschichte samt ihrem tragischen Ende begreiflich zu machen. Daß die Mäuse dabei die einzigen Lebewesen sind, die der Königin aufrichtige Liebe und Treue entgegenbringen und sie in allen Situationen bis in die Stunde ihres Todes trösten, ist sicher nicht kulturkritisch gemeint, es zeigt aber unbeabsichtigt die Einsamkeit der Königin deutlicher, als jedes andere Mittel es vermöchte. Das Buch kann Kindern ein guter und ganz eigentümlicher Einstieg in die Geschichte sein. (Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg; 94 S., 10,80 DM) schl

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"Verdacht gegen Danny", von Mel Ellis. "Wer hat Jake Tabor umgebracht" – heißt die Frage, die Mel Ellis’ Kriminalgeschichte in Gang setzt. Alle Indizien verweisen auf den 17jährigen Danny. Das Motiv des "falschen Verdachts" wird jedoch nicht in üblicher Weise zur Irreführung des Lesers verwendet; denn der so Verdächtigte erzählt die Geschichte selber, und man ist sogleich geneigt, ihm zu glauben. Die beiden Fragen – Wer war es tatsächlich, und: Wie gelingt es Danny, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen? – sorgen dann für die nötige, bis zum Schluß durchgehaltene Spannung. Der Weg bis dorthin ist für Danny mit einigen Niederlagen, zeitweiliger Hoffnungslosigkeit und vielen gefährlichen Verwicklungen und Abenteuern gepflastert. Die Lösung kommt dramaturgisch effektvoll während der Gerichtsverhandlung, gerade als Danny sich energisch, aber taktisch unklug gegen den Staatsanwalt zur Wehr gesetzt und dadurch seine Sache nur verschlimmert hat. Eine interessante, lohnende Lektüre. (Erika Klopp Verlag, Berlin; 164 S., 14,80 DM) M. D.