Von Harry Pross

Als der Heidelberger Psychologieprofessor und zeitweilige Staatspräsident des Freistaates Baden, Willy Hellpach, gegen Hindenburg um die Reichspräsidentenstelle gekämpft hatte und durchgefallen war, tröstete ihn ein stadtbekanntes Original mit dem Satz: "Stellen Sie sich vor, Sie säßen jetzt in Berlin und das Hindenbürgle müßte hier Psychologie lehren." Hellpach hat uns die Geschichte 1947 im Seminar erzählt, um uns den Rollenbegriff zu verdeutlichen. Sie stellte sich jetzt wieder ein bei der Lektüre von Tagebüchern aus der Kriegs- und Nachkriegszeit:

Erich Kuby: "Mein Krieg. Aufzeichnungen aus 2129 Tagen"; Nymphenburger Verlagshandlung, München 1975; 512 S., 36,– DM.

Werner Vordtriede: "Das verlassene Haus. Tagebuch aus dem amerikanischen Exil 1938–1947"; Carl Hanser Verlag, München 1975; 410 S., 39,80 DM.

Albert Speer: "Spandauer Tagebücher"; Propyläen Verlag, Berlin 1975; 672 S., 38,– DM.

Die Bücher haben den Vorzug gemein, daß sie auf zeitgenössischen Originalaufzeichnungen aufbauen. Was unter heutiger Perspektive dabei der Redaktion zum Opfer fiel, sei es der des Autors, der des Verlages, kann nicht beurteilt werden. Kürzungen sind ja in aller Regel nicht nur eine Sache des Metermaßes, sondern eine Frage, wo man das Meter ansetzt.