Von Brigitte Zander

Über Mangel an Prominenz konnte sich der Starnberger See bislang nicht beklagen. Hardy Krüger, Walter Giller, Johannes Heesters, Walter Scheel, Charles Regnier, Friedrich Karl Flick und Ex-Geheimdienstchef Gehlen residieren dort; Marianne Koch, Ilse Kubaschewski und Ingrid van Bergen gehören zu den Anrainern der bekannten "Münchner Badewanne". Prinz Bernhard spielte Golf am See; die Rockefeller-Töchter erholten sich bei einer Bootsrundfahrt und Günther Schramm übte sich im sportlichen Segeln. Trotz dieser namhaften Weekend- und Dauergäste blieb das Seengebiet südlich der bayerischen Hauptstadt für den großen Tourismus ein fast weißer Fleck auf der Landkarte. Während der große Urlaubertreck auf der Salzburger und Garmischer Autobahn vorbeidonnerte, blieb dem Fremdenverkehrsgewerbe zwischen Inning und Seeshaupt nur der relativ bescheidene Verdienst von einzelnen Prominentenpartys, sparsamen Stammgast-Urlaubern und Münchner Freizeitgestaltern.

Aus diesem stiefmütterlichen Status eines Münchner Naherholungszentrums, garniert mit dem Hauch exklusiver Wohngettos, hat man in diesem Jahr erstmals einen Ausbruchversuch gestartet. Das Fünf-Seen-Land mit den beiden großen Gewässern Starnberger- und Ammersee sowie den gemütlichen Wasserlöchern Wörthsee, Pilsensee und Weßlinger See hat sich zu einem Fremdenverkehrsverband mit einem 210 000-Mark-Budget zusammengeschlossen. Herbert Pohl, Direktor des noch verkümmerten 530 Quadratkilometer großen Ferientummelplatzes südlich der bayerischen Landeshauptstadt, hat gerade begonnen, so etwas wie eine Urlauber-Animation mit Hilfe von drei hauptberuflichen Gästebetreuern und engagierten Freizeitvereinen auf die Beine zu stellen.

Erstmals bleibt es nicht dem Zufall oder dem persönlichen Engagement des einzelnen überlassen, daß ortsunkundige Preußen von den Unterhaltungs- und Betätigungsmöglichkeiten profitieren. An wöchentlichen Gästestammtischen und über "heiße Leitungen" zu den Kurverwaltungen Starnberg, Tutzing und Herrsching werden die Fremden über die aktuelle Hobbypalette – vom Angeln, Golfen, Surfen, Schachspielen und Reiten bis zum Pilzesammeln, Schießen, Filmen und Drachenfliegen – an den "Münchner Badewannen" aufgeklärt und animiert.

So erfuhren manche bescheidenen Urlauber in den vergangenen Sommerwochen zum erstenmal, daß jeder Unbedarfte die Erdfunkstelle Raisting besichtigen darf, daß sich in Eching am Ammersee (zwar inoffiziell aber wohlgelitten!) alle Nacktbader treffen, und wo die so lang von Ferne angebeteten Stars wie Armin Hary, Michael Schanze, Petra Schürmann, "Loriot" von Bülow und Rudolf Schock wohnen.

Bei den bekannteren Attraktionen im bäuerlich-hügeligen Voralpengebiet wie dem "Heiligen Bierberg Andechs" oder Tanzkreuzfahrten mit dem Schaufelraddampfer "Dießen" auf dem Ammersee sind die Urlauber meist unter sich.

Mindestens so drängend wie das Thema "Animation" aber erweist sich das Hotelproblem im Fünf-Seen-Land, das mit Auto und S-Bahn in weniger als einer Stunde von München aus zu erreichen ist – und das sich folglich bei der Gästeunterbringung lange auf die 26 000 Fremden-Matratzen in der ehemaligen Olympiastadt stützte. Als Komfortherbergen lassen sich derzeit eigentlich nur das Schloßhotel Berg und das betagte Nobel-Etablissement "Kaiserin Elisabeth" anführen. Die große Mehrheit der 3800 Betten im Verbandsgebiet findet man in bescheidenen Pensionen und Bauernhöfen. Als erste Zeichen der touristischen Neuzeit zwischen Starnberger- und Ammersee präsentieren sich die "Marina" in Bernried und das noch in Bau befindliche "See-Hotel" in Leoni. Eine Münchner Hotelplanungsgesellschaft und der Steigenberger Konzern basteln an weiteren Unterkunftsprogrammen für anspruchsvollere Gäste.