Vielleicht ist es ein Fehler, die Bekanntschaft mit dem Urlaubsland Dänemark just auf – Bornholm zu machen, denn die idyllische Insel mit ihren gemütlichen Städtchen und einladenden Stränden setzt Maßstäbe, die anderswo im Königreich so leicht nicht erreicht werden. Ein Aufenthalt in Klitmøller im nordwestlichen Jütland kann jedenfalls sehnsuchtsvolle Erinnerungen an die Ostseeinsel wachrufen.

Dabei zählt das Fischerdorf nicht einmal zu den unattraktiven Orten an der Nordseeküste des Landesteiles Thy. Im Zentrum des Dorfes Nord-Vorupør, zum Beispiel, herrscht an heißer Sommertagen ein Rummel wie in einer mittlerer Großstadt während der Hauptverkehrszeit. In Klitmøller ist es ruhiger – wenn nicht gerade die Sägen und Betonmischer in Aktion treten. In diesem Sommer waren sie sehr häufig zu hören, denn Klitmøller ist vom Bauboom ergriffen.

Das kann besonders die Urlauber in Rage versetzen, für die Ruhe im Urlaubsdomizil die erste-Voraussetzung für Erholung ist. Ein paar Baustellen vor der Haustür fördern die Entspannung gewiß nicht. Wenn für das Sommerhäuschen dann auch noch der unbescheidene Mietpreis vor hundert Mark pro Tag verlangt wird, gesellt sich zur Lärmbelästigung ein großer Ärger.

Er steigert sich zur Rage, wenn bei Einbruch der Dunkelheit eine zusätzliche Plage droht 0rentviste. Zumindest für einige Besucher Klitmollers zählten ein paar hundert Ohrenkneifer zu den regelmäßigen Abendgästen in den vier Wänden. Da vom Häuserverwalter weder Rat noch Hilfe zu erhalten war, bemühten sich die Urlauber, auf eigene Faust der Invasion Herr zu werden. Die Eskalation des Kampfes gegen die Insekten verlief meist in vier Stufen: Nachdem konventionelle Mittel wie Fliegenklatschen oder Tennisschuhe nicht ausreichten, wurden chemische Waffen eingesetzt – Sprühdosen oder Insektenpulver. Weil auch sie die Feinde nicht verjagten, wurde ein Staubsauger eingesetzt, der die Ohrenkneifer von Wänden, Decken und Betten saugte. Doch die Reserven der Tierchen waren unerschöpflich, so daß am Ende nur die psychologische Kriegsführung weiterhalf: So viel Whisky, bis der Ekel schließlich betäubt war.

Der Strand von Klitmøller ließ das Unbehagen kaum vergessen. In diesem Sommer war er solange von Strandgut überlagert, bis ihn die Gäste in Selbsthilfe räumten. Die Millionen Steine am Wasser können freilich auch im Großeinsatz nicht beseitigt werden. Baden konnten nur Gäste mit ziemlich unempfindlichen Füßen oder Badeschuhen.

Zur Verdrängung von allem Ungemach blieben Ausflüge in Heide, Wälder und an die benachbarten Seen. Die Landschaft Thy ist mitunter etwas karg, aber immer interessant. Wer Glück hat, wird auch den Weg nach Vangsa, ein paar Kilometer südlich von Klitmøller finden, wo verrostende Baumaschinen am Straßenrand zwar nicht zur Weiterfahrt einladen, aber am Ende ein richtig schöner Strand mit weißem Sand und hohen Wellen lockt. Wenn dann auch noch die Sonne scheint, stellt sich leicht ein, was Sinn der Reise in den Norden Dänemarks war: Urlaubsfreude zu erleben. Dieter Buhl

PS: Übrigens mietet man Ferienwohnungen in Dänemark am besten über Zeitungsannoncen. Man erhält in aller Regel bessere Konditionen als bei den offiziellen Verkehrsbüros, denn da schluckt das Finanzamt einen Teil der Mieteinnahmen.