Frankfurt/Main

Bald werden Fernseh-Reporter durch die Frankfurter City streifen und Anwohner befragen, ob sie daran Anstoß nehmen, daß der junge Mann, der ihnen die Post zustellt, Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei ist. Und da wird dann wohl kaum einer antworten, daß das für ihn eine unerträgliche Vorstellung sei. Es wird ihnen eher daran gelegen sein, daß ihre Post schnell in den richtigen Briefkasten gesteckt wird. Jedoch: Die Bundespost steht vor einer "Sein oder Nichtsein"-Frage, weil der Frankfurter Briefträger Wolfgang Repp, um den es hier geht, im April nächsten Jahres nicht nur 27 Jahre alt wird und damit den Termin für die Übernahme als Beamter auf Lebenszeit erreicht, sondern weil er auch engagiertes Mitglied der DKP ist.

So emotional das Thema "Radikale im öffentlichen Dienst" im Laufe der Jahre auch geworden ist, griffig und volkstümlich wurde es erst, als ein Bundesbahn-Lokführer nicht mehr weiter fahren sollte, weil er, um diese Funktion ausüben zu können, Beamter sein muß, aber Beamter als aktiver DKP-Genosse nicht werden konnte. Nach der Bahn liefert nun die Post ein kaum weniger eindrucksvolles Beispiel für Absurditäten im Verein behördlicher Radikalen-Praxis: Ein biederer Briefträger, der eigentlich Beamter auf Lebenszeit werden müßte, aber Schwierigkeiten hat, weil er in der falschen Partei ist.

Nach den Regeln der Bundespost wird ein Beamter auf Probe mit Erreichen des 27. Lebensjahres Beamter auf Lebenszeit. Auch wenn sich am äußeren Ablauf der Arbeit nichts ändert, erhält dann das Arbeitsverhältnis eine neue Qualität.

Als nun Briefträger Repp Lebenszeit-Beamter werden sollte, wurde er vorher zu einer "Anhörung" zitiert. Dort verriet er mit seinem Bekenntnis zur DKP kein Geheimnis. Auch seine Kandidatur für den hessischen Landtag kam zur Sprache. Dabei versäumte er nicht, dem Bundespost-Befrager zu versichern, daß er auf dem Boden des Grundgesetzes stehe und bereit sei, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten.

Jedoch: Die Treuebekenntnisse hatten den Dienstherren offenbar nicht tief genug beeindruckt. "Nach Feststellungen des Bundespostministeriums", so wurde Wolfgang Repp beschieden, "können Sie auf Grund Ihrer Aktivitäten in der DKP nicht mit der Verleihung der Eigenschaft eines Beamten auf Lebenszeit rechnen." Es sei denn, so wurde Trost gespendet, es gelinge ihm, "die an Ihrer Treue zur Verfassung bestehenden Zweifel auszuräumen".

Eine goldene Brücke, um den Zugang in das gelobte Land der Beamten auf Lebenszeit doch noch zu ermöglichen? Das kann schon so gemeint sein, doch bisher hat noch niemand Wolfgang Repp eine Antwort auf seine Frage geben können, wie er das nun eigentlich machen soll, die Zweifel an seiner Verfassungstreue zu beseitigen.