Hervorragend:

Joan Armatrading: "Joan Armatrading." Vergleiche mit Joni Mitchells Gesangskunst sind bei diesem dritten Album von Joan Armatrading unvermeidlich. Wie Miß Mitchell besitzt auch die in Basseterre auf den Westindischen Inseln geborene Sängerin eine sehr modulationsfähige, jede Nuance präzis fühlende Stimme, dazu ein sicheres Gespür für die Verbindung von Lyrik und rhythmischer Struktur (bei ihrer Debüt-LP "Whatever’s For Us" überwogen die Texte noch bei weitem die Bedeutung der Melodien) und eine autobiographische Verbindlichkeit, die ohne alle Posen auskommt. Was sie von Joni Mitchell unterscheidet, sind die ausgeprägtere Rhythm-&-Blues-Inspiration und der engere thematische Rahmen ihrer Kompositionen. Ein Meisterstück lieferten hier die Technik, die die Stimme von Joan Armatrading mit einer fast unglaublichen Intimität aufnahm, und der Arrangeur, der eine Durchsichtigkeit des Klangbilds erzielte, wie man sie seit langem nicht gehört hat. (A&M 27 999)

Franz Schüler

Hörenswert:

Catch up II: "Birth of the Second Life." Wie immer man das umschreibt, als jazzigen Rock oder rockigen Jazz – es ist eine freundliche, unkomplizierte Musik, die manchmal Witz aufklingen läßt, manchmal sich vor einem überflüssigen Vorhang von synthetischem Streicherklang ereignet, dann und wann auch überirdische Turnübungen macht. Die Musiker der Gruppe "Catch up II" spielen korrekt; ihr Streben nach Originalität drückt sich auch so aus: Sie beginnen ihr Programm mit dem Titel "End..." und beenden es mit "Introitus", einem religiös gefärbten Seufzer-Stück, in dem eine Stimme "Ich bin bereit" stöhnt, "Komm" stammelt, aber eben "Komm, o Herr" und sodann "O wie wunderbar..." Und wenn die Titelmusik erklingt – "Birth of the Second Life" –, tickt eine Uhr, ertönen irgendwie kosmisch gefärbte Klänge sowie ein Geburtsschrei. (CAL 30615, Calig-Verlag, München 19, Renatastr. 71,22,– DM).

Manfred Sack

Enttäuschend:

Wolfgang Amadeus Mozart: "Requiem." Herbert von Karajan hat sich selbst in seinen frühen Jahren bei seinen Aufführungen von Geistlicher Musik stets eine gute Portion mystischer Getragenheit verordnet – heute kultiviert er dieses Andante religioso zu einer fast metaphysischen Innerlichkeit. Andererseits: Zu starken Akzenten und heftiger Agogik treibt Karajan die Berliner Philharmoniker – und damit in ein deutliches Übergewicht gegenüber dem Chor (Wiener Singverein). Diese Diskrepanz wird noch ausgeweitet durch die schwache Disposition des Chorsoprans. Aus dem liturgischen Gesang ist ein auf schöne und wirksame Stellen getrimmtes Orchesterstück mit Vokalbeilage geworden. Lediglich der sanfte und klare Solosopran (Anna Tomowa-Sintow) macht die Platte ein wenig attraktiv. (DGG 25 30 705, 25,– DM) Heinz Josef Herbort