Von Nina Grunenberg

Spielstand drei Wochen vor der Wahl: Die Koalition liegt vorn. Jedenfalls glauben das Sozialdemokraten und Liberale. Auch die Kohl-Mannschaft glaubt, daß noch "alles drin" ist. Elisabeth Noelle-Neumann, die Computer-Pythia vom Bodensee, hat für die CDU/CSU einen Anstieg konstatiert: Die Zahl der Unentschiedenen schrumpft. Von denen, die noch nicht wissen, wen sie wählen sollen, seien jetzt höchstens noch ein halbes Prozent den berühmten, rational abwägenden Wechselwählern zuzuzählen, heißt es. In der Hauptsache handele es sich bei den Wechslern, um die der Kampf jetzt noch geht, um die relativ apolitischen "Ereignis"-Wähler. Ihre Zahl wird auf acht bis 17 Prozent geschätzt. Fazit: Sicher ist nichts, Glaube und Zuversicht sind Trumpf.

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Die Ortsvereine der SPD, die den Sommer verpennt haben, sind aufgewacht und fangen an, mobil zu machen. Warum sie erst so spät reagierten, ist rätselhaft. Aber vielleicht brauchen die Genossen, wenn sie kämpfen sollen, erst das Gefühl, mit dem Rücken an der Wand zu stehen. Das haben sie jetzt. Und schon verbreitet sich die alte Siegeszuversicht, die von kämpferischem Galgenhumor manchmal nicht zu unterscheiden ist. Im Wahlkampfsonderzug Helmut Schmidts machte letzte Woche eine Losung die Runde, die auf den Geschmack anspruchsvollerer Genossen zielte: "Lieber Schmidt ohne Krise als eine Krise ohne Schmidt."

Das Vorbild für Sarkasmus Und Kampfesmut bleibt freilich Herbert Wehner. Am vorigen Donnerstag begrüßte er zusammen mit Walter Arendt und Helmut Schmidt die Teilnehmer einer Saarbrücker Kundgebung, die unter freiem Himmel stattfand und im Regen unterzugehen drohte, mit den Worten: "Wir Sozialdemokraten verkörpern die Freiheit, sogar die Freiheit, im Regen naß zu werden." Helmut Schmidt beschränkt sich darauf, drastisch zu sein. Er bedankte sich bei den Tausenden, die "trotz des beschissenen Wetters" gekommen waren und sich nasse Füße holten,

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Als Helmut Kohl letzte Woche Mittwoch mit seinem Sonderzug unterwegs war, lachte alles: der Himmel, die Wähler und der Kanzlerkandidat. Helmut Kohl lacht in den letzten Wochen gern und viel. Am liebsten würde er im Duell mit Helmut Schmidt im Fernsehen lachen: "Das wäre doch ein Anblick", sagte er. Das finden die Photographen auch. Sie sprechen vom "Hollywood-Lächeln" Kohls und vom "Chicago-Lächeln" Schmidts.