"Kindertagesstätte – erste Begegnung mit der organisierten Umwelt" – unter diesem Leitsatz steht in Berlin eine Ausstellung (bis Anfang Oktober). Ursula Rellstab arbeitete im Spiel-Aktionsraum einen Tag mit ohne.

Von Ursula Rellstab

Michael hat das Bett angesägt!" Die Praktikantin sagt es der Erzieherin Vera, und diese blickt ratlos in Richtung Schandtat. "Der Michael?" fragt sie, und das bedeutet "Was nun? Wie um Gottes willen soll ich mich jetzt verhalten?" Hätte Michael das Bett in der gewohnten Kindertagesstätte angesägt, Vera würde gewußt haben, was zu tun gewesen wäre: sie hätte gerügt, gescholten. Aber hier ist man zu Besuch. Hier im Internationalen Design Zentrum (IDZ) Berlin, genauer im Spiel-Aktionsraum des Zentrums, liegen die Dinge anders. Hier darf man mehr.

Es wurde einem gesagt, daß hier erlaubt sei, woran man daheim, im gewohnten Bereich, nicht einmal denken darf. Ob Bettansägen noch im Erlaubten miteinbegriffen ist? Vera seufzt. Größere Freiheit wirkt nicht unbedingt befreiend. Man müßte auf die neue Freiheit besser vorbereitet sein.

Die Ausstellung der IDZ "Kindertagesstätte – erste Begegnung mit der organisierten Umwelt. Notwendigkeiten und Ansätze für die Gestaltung" ist bis zum 3. Oktober 1976 in Berlin zu sehen. Tafeln mit Bildern und Texten vermitteln einen Einstieg ins Thema und geben einen Überblick über bereits realisierte, modern konzipierte Kindertagesstätten und ähnliche Einrichtungen in der Bundesrepublik und anderswo. Eine kleine Sonderausstellung verschafft Übersicht über das aktuelle Möbelangebot für Kindertagesstätten. Eine Dia-Serie, gekonnt zusammengestellt aus sieben Dia-Serien aus Schweden, zeigt, wovon man im IDZ träumt: von einer "kindgemäßen" Innen- und Außenwelt, in der mehr erlaubt ist als üblich, in der aber die neuen Freiheiten nicht gleichbedeutend sind mit chaotischen Zuständen. Man tagträumt von einer Umwelt, die den Kindern zwar ein Maximum an Sicherheit bietet, in der jedoch Anregung großgeschrieben wird und sogar so etwas wie "Schönheit" wieder einen, höheren Stellenwert bekommt.

Bei alledem ist keineswegs die Rede von einem Schonraum, sondern im Gegenteil von einer Institution, die einen starken Bezug zur modernen Wirklichkeit hat. Im Internationalen Design Zentrum e. V. ist man der Meinung, daß diese pädagogischen Ziele nur erreicht werden können, wenn sie durch. entsprechende Räume und Einrichtungen unterstützt werden. Ganz konkret: Das IDZ schlägt vor, die heute in Kindertagesstätten üblichen Gruppenräume durch einen Spiel-Aktionsraum zu ergänzen, wobei auf etwa vier Gruppenräume ein Spiel-Aktionsraum kommen würde. Und um gleich klar zu machen, was gemeint ist, hat das IDZ im Rahmen der Ausstellung einen solchen Spiel-Aktionsraum aufgebaut und stellt ihn verschiedenen Gruppen aus Berliner Kindertagesstätten zum Ausprobieren zur Verfügung.

"Was schreibst du denn da? – Würdest du mir – bitte die Schürze binden?" – Ich war mir so riesig vorgekommen mitten unter den Fünfjährigen, da habe ich mich auf dem Fußboden niedergelassen. Um besser zuschauen zu können. Und auch, um weniger aufzufallen. Dachte ich mir. "Was ist das, eine Journalistin?" Die Erklärung wurde mir erspart dank einer Einladung zu Kartoffelpuffern und Apfelmus. Die Einladung wurde sogleich mit einer Auflage versehen. Wer mitessen will, soll auch mitkochen!