Demokraten in der Sowjetunion

Von Cornelia Gerstenmaier

Das Phänomen des Samisdat ist eng verbunden mit der Entstehung einer geistigen Oppositionsbewegung in der Sowjetunion, deren Anfänge in die fünfziger Jahre zurückreichen. Die ersten Manifestationen des Widerstandes reflektierten noch die Enttäuschung der Intellektuellen über die nur oberflächlich vollzogene und von der Partei vorzeitig abgebrochene "Entstalinisierung".

F. J. M. Feldbrugge: "Samizdat and political dissent in the Soviet Union"; A. W. Sijthoff International Publishing Company, Leyden 1975; 255 S., 20,– $

Das wachsende Bedürfnis nach sicheren Rechtsgarantien ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Samisdat-Thematik geblieben. Im gleichen Maße, in dem dieses Verlangen von den Behörden mißachtet wurde, sich die Auseinandersetzung zwischen Intelligenz und Regime zuspitzte, wurde der Samisdat zum Spiegel der sich formierenden "Demokratischen Bewegung". Sie macht bis heute das zentrale und gewichtigste, Element im innersowjetischen Widerstand aus.

Übersetzt "Selbstverlag", bezeichnet Samisdat alles, was außerhalb der Zensur geschrieben oder verbreitet wird. Dieses Schrifttum kann nicht als "Untergrund"- oder als "illegale" Literatur apostrophiert werden, da die sowjetische Verfassung die Zensur nicht vorsieht, sondern das Recht auf freie Meinungsäußerung formell "garantiert".