In den neun Ländern der Europäischen Gemeinschaft (EG) gibt es mehr multinationale Unternehmen als in den Vereinigten Staaten. Zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt eine Studie der EG-Kommission, die bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Danach sind von den rund zehntausend "Multis" in aller Welt 4534 innerhalb der EG ansässig, aber nur 2570 in den USA.

Doch bei den Europäern imponiert nur die große Zahl der weltweit tätigen Firmen, weniger ihre Größe: Von den zweihundert größten Multis der Welt sind allein 103 in den USA beheimatet und nur 70 multinationale Unternehmen (35 Prozent) haben ihre Zentrale innerhalb der Europäischen Gemeinschaft. Noch deutlicher wird der Abstand, wenn die Anteile am Gesamtumsatz der zweihundert Größten verglichen werden: 50,7 Prozent entfallen auf amerikanische Multis und nur 30,1 Prozent auf ihre europäischen Konkurrenten.

Im zweiten Glied sieht es nicht besser aus. Die 1200 kleineren US-Multis, die ihre Umsätze publizieren, meldeten zusammen Verkäufe von 900 Milliarden Dollar, während 2500 europäische Multis zusammen nur 600 Milliarden Umsatz schafften.

Für ihre nationalen Volkswirtschaften sind die europäischen Multis dennoch oft von überragender Bedeutung: In den Niederlanden zum Beispiel erreichen die zusammengefaßten Umsätze von sechs Multis mehr als zwei Drittel des holländischen Bruttosozialprodukts. Über die Hälfte des Industrie-Outputs in Großbritannien wird von britischen Multis produziert, die japanischen Multis sind an der Industrieproduktion ihres Landes mit 45 Prozent beteiligt, die amerikanischen an der US-Produktion mit 41 Prozent. Dagegen stammen nur 27 Prozent des Industrie-Outputs der Bundesrepublik aus den Werken deutscher Multis. Obs.