ZEIT: Herr Hauenschild, die Gewerkschaften haben in ihrer Erklärung zu der Dokumentation Biedenkopf des "hemmungslosen Vorgehens" gegen die Arbeitnehmerorganisationen beschuldigt, auf die konkreten Vorwürfe über Machtmißbräuche aber etwas wehleidig und unter Hinweis auf ihre großen Verdienste in der Vergangenheit geantwortet. War sich der Bundesvorstand des DGB seiner Sache so wenig sicher?

Hauenschild: Keineswegs, Wir waren uns unserer Sache sogar sehr sicher. Bei einer ersten Untersuchung der vorgetragenen Fälle konnten die betroffenen Gewerkschaften bereits darauf hinweisen, was nicht stimmt. Was den Bereich der IG Chemie betrifft, so sind alle drei genannten Fälle nicht zutreffend. Sie sind schlichtweg falsch.

ZEIT: Biedenkopf behauptet, daß alles sehr sorgfältig geprüft sei.

Hauenschild: In unseren Fällen sicherlich nicht.

ZEIT: Aber die genannten Anzeigen zugunsten der SPD sind doch erschienen.

Hauenschild: Die Rede ist von einer Anzeige einer Verwaltungsstelle im Westerwald. Aber auch hier stimmt nichts. Es war eine Serie von Inseraten zur Mitgliederwerbung, die schon seit April läuft und auch über den Wahltermin bis zum Jahresende hinausreicht. Da sind eine Reihe von Forderungen der Gewerkschaft an die Regierung als unerfüllt bezeichnet worden, andere sind als erfüllte Forderungen abgehakt worden. Das ganze zusammen ist als gewerkschaftlicher Erfolg dargestellt worden, als gewerkschaftliche Werbung also. Da kann man nicht einfach eine herausgreifen und eine nicht zutreffende Behauptung aufstellen.

ZEIT: Direkt gegen die IG Chemie richtet sich auch der Vorwurf Biedenkopfs, daß nichtorganisierte Arbeitnehmer der Preßwerk AG in Essen per Brief von der Verwaltungsstelle Essen als neue Mitglieder begrüßt wurden – es sei denn, sie legten beim Betriebsrat fristgerecht Einspruch ein.