Drei portugiesische Frauen, Maria Isabel Barreno, Maria Teresa Horta, Maria Velho da Costa, schrieben dieses Buch noch im faschistischen Portugal; sie wurden dafür ins Gefängnis gesperrt; im Herbst 1973 sollte ihnen der Prozeß gemacht werden, wegen "Beleidigung des Gefühls für Anstand und Sitte". Nach dem Sturz des Regimes im April 1974 wurden die Frauen freigelassen, ihr Buch durfte veröffentlicht werden –

Die drei Marias: "Neue Portugiesische Briefe", aus dem Portugiesischen von Ludwig Graf von Schönfeldt; Ullstein Verlag, Berlin, 1976; 315 S., 38,– DM.

Die drei Frauen verabredeten 1971, sich wöchentlich zu treffen, um ihre Gedanken, Träume, Briefe und Gedichte auszutauschen. Ihr Thema: die Unterdrückung der Frau in ihrem Land, das noch immer von der streng patriarchalischen Moral der katholischen Kirche beherrscht wird. Vorlage für ihr Buch sind die berühmten (von Rilke übersetzten) "Portugiesischen Briefe", welche die Nonne Mariana Alcoforado im 17. Jahrhundert an ihren französischen Liebhaber richtete, der sie verführt und dann verlassen hatte:

Die drei Marias lassen Mariana nicht nur Briefe an ihren Geliebten schreiben, sondern auch an die Mutter, an die Freundin. Im zwanzigsten Jahrhundert verwandelt sich die Nonne in eine aufsässige Tochter, eine rebellische Studentin.

Und immer wieder tauschen die drei Frauen eigene Briefe und Gedichte aus, zaghafte und mutige, kühle und leidenschaftliche, schwermütige und kämpferische. Manchmal wirken die Schreibenden mutlos, aber sie lassen sich nicht davon abhalten, die Wahrheit zu schreiben, über unerwünschte Schwangerschaft, Abtreibung, Selbstmord, Furcht, Verzweiflung, Einsamkeit, Unterdrückung und all die Demütigungen, die Männer Frauen antun können.

Ein strenges, ein trauriges, ein stilles Buch, voll verhaltener Leidenschaft und tröstender Zärtlichkeit.

"Welche Frau ist keine Nonne?" fragen die drei Autorinnen. "Sie wird geopfert. Sie opfert sich selbst." Und am Ende heißt es: "Wir bleiben weiter allein, aber weniger schutzlos."

Das ist vielleicht nicht viel, bestimmt nicht genug, aber es ist ein Anfang für die Solidarität der Frauen untereinander. Monika Sperr