In den letzten Jahren hat es auf dem Gebiet, das die elementare Fähigkeit der Kinder anspricht, sich Sachen auszudenken und die Phantasie spielen zu lassen, etwas trübe ausgesehen. Die Tatsache, daß Kinder noch bis in die Schuljahre hinein auch im Reich der Vorstellung, des Irrealen und Magischen leben, ist über pädagogischen und sozialkritischen Zielen erheblich vergessen worden, und wenn Kinder nicht zufällig ein Buch von Edith Nesbit, Joan Aiken oder Michael Ende in die Hand bekommen haben, ist es kein Wunder, wenn sie sich den Hunger auf Phantasie mit Asterix und Superman gestillt haben.

Jetzt scheint sich das Gleichgewicht wieder etwas einzupendeln. Ein paar Bücher sorgen dafür, daß Kinder gleichzeitig lachen und fabeln können.

Wilhelm Herzog: "Frööze gibt es überall"; Dressler Verlag, Hamburg; 127 S., 11,80 DM

ist ein überaus einfallsreiches und heiteres Buch über die Angst, mit der wohl jedes Kind zu kämpfen hat, und erzählt von den Erlebnissen einer Kindergruppe mit Phantasiewesen, die für Pech und Pannen, Angst und Unheil zuständig sind. Der Leser erfährt nicht nur, wie man eine Fröözenburg erobern und Zauberspiegel gegen nächtliche Schrecken herstellen kann, er lernt dabei auch, daß es leichter ist, mit Schwierigkeiten fertig zu werden, wenn man Freunde und gute Einfälle hat, wenn man selber anpackt und wenn man bereit ist, aus Fehlern zu lernen.

Hinzu kommt eine seltene Neigung zum Nonsens einheimischen Genres. Da wird nicht die Alice kopiert, sondern da geht der Autor auf die Leidenschaft der Kinder ein, verrückt zu denken, zu sprechen und sich zu unterhalten, der Logik und den Redensarten der Erwachsenen zu entschlüpfen, Sprache ganz ursprünglich zu benutzen und durch die höhere Logik des Wortwörtlichen die Welt des Gewohnten auf den Kopf zu stellen: Systemkritik im Geiste des Humors und der Vernunft.

Dieser Reichtum an Phantasie bietet sich auch in

Norton Juster: "Weckerhund, Wedermann und Schlafittchen"; Benziger Verlag, Zürich; 181 S., 13,80 DM.