Um zu verhindern, daß Fritz Dietz, offiziell noch im Amt befindlicher und wegen einiger Praktiken in der Grauzone zwischen öffentlichem Amt und privatem Kommerz umstrittener Vorsitzender des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), eines Tages noch weitere Spitzenpositionen bei den Wirtschaftsverbänden übernimmt, läßt man sich im Unternehmerlager einiges einfallen.

So plant der Präsident des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft, Hanns-Martin Schleyer, schon jetzt, wer zwischen 1978 und 1980 an der Spitze dieser Dachorganisation führender Wirtschaftsverbände stehen soll. Turnusmäßig wäre dann nämlich Dietz an der Reihe: als Nachfolger von Otto Wolff von Amerongen, des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, der am 1. November die Führung des Gemeinschaftsausschusses von Schleyer übernehmen und bis 1978 behalten wird.

Die Lösung des Problems scheint schon gefunden zu sein: Schleyer wird dem Gemeinschaftsausschuß als Abschiedsgeschenk den Aufnahmeantrag des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZdH) überreichen. Dem Antrag wird natürlich stattgegeben werden. Von 1978 bis 1980 wird dann ZdH-Chef Paul Schnitker die Führung des Gemeinschaftsausschüsses übernehmen – und damit dazu beitragen, daß Dietz ausgetrickst wird.

"Vereinbarungen" in "Spitzengesprächen" sind längst nicht immer so haltbar, wie es ihre etwas hochtrabende Bezeichnung glauben machen könnte. Eine solche Vereinbarung, die jüngst zwischen den einander nicht gerade freundlich gesonnenen Organisationen der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher (AGV) und des Zentralausschusses der Werbewirtschaft (ZAW) getroffen wurde, dauerte sogar nur eine halbe Stunde.

Der AGV-Vorsitzende Otto Blume hatte sich gerade erst nach einem Gespräch mit ZAW-Chef Dankwart Rost und dem Vorsitzenden des Deutschen Werberates, Paul Wiethoff, verabschiedet, in dem die hohen Organisationen vereinbart hatten, künftig alle gegenseitigen Angriffe zu unterlassen, da meldete er sich schon wieder am Telephon: Ohne sein Wissen habe sich da noch ein gegenüber dem ZAW höchst kritischer Artikel in die offiziellen AGV-Mittei-Jungen geschlichen, dessen Veröffentlichung er leider nicht mehr stoppen könne. Ob nicht aber sein Geschäftsführer Johannes Jaschick rechtzeitig hätte Einhalt gebieten können, ließ Blume offen.

Der Artikel, verfaßt von AGV-Mitarbeiter Manfred Dimper, hatte es denn auch wirklich in sich: Vom ZAW höre man zum Thema Konsumentenschutz "nichts als Lippenbekenntnisse", "einseitige Zahlenspielereien" und die schnöde "Verteidigung von Besitzständen".

Beobachter hätten sich auch gewundert, wäre es anders gekommen: Zwischen Verbraucherschutz und Werbung gibt es in den meisten westlichen Ländern so große Konflikte, daß es schon erstaunlich wäre, könnte man sie ausgerechnet in Bonn mit "Spitzen-Vereinbarungen" verkleistern.