Was die Vorschriften der Kirche von einem Pfarrer alles verlangen

Von Ernst Klee

"Das Pfarrhaus", lese ich im Amtsblatt der Landeskirche, "besteht aus zehn Räumen, Küche, zwei Mansarden, Bad mit Dusche, zwei Garagen, einem größeren und kleineren Garten." Ein anderes Pfarrhaus besteht aus 14 Räumen, inklusive zweier Amtsräume allerdings. Eine andere Gemeinde bietet auf drei Stockwerken drei Schlafzimmer. Da fällt es dem Seelenhirten schon schwer zu entscheiden, wo er sein müdes Haupt hinlegen soll.

Angesichts dieser schon feudalistischen Raumpracht wirken das Matthäus- wie das Lukasevangelium reichlich antiquiert. Denn auf die Frage, wie man Jesu Nachfolger werde, beschied der Zimmermann aus Nazareth: Die Füchse haben Gruben und die Vögel Nester, der Sohn des Menschen dagegen weiß nicht, wo er sein Haupt hinlegen soll. Die amtlich in die Nachfolge genommenen Pfarrer stehen sich da wahrlich besser, wenn man den Stellenausschreibungen im Amtsblatt trauen darf. Und das wird man wohl dürfen.

Angesichts der angepriesenen Zimmerfluchten läßt sich nur eine theologische Fehlinterpretation des Johannes-Wortes vermuten, das besagt: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Es scheint, statt Theologen hätten die Architekten die Auslegung übernommen.

Seit dem Garten Eden und seit sich die Pfarrer in Vorzeiten mit Landwirtschaft durchbringen mußten, hat das Pfarrhaus einen bodenständigen Bezug zum Pfarrgarten. Die Gemeinden werben mit einem oder gar zwei Gärten, mit Zier- und Nutzgärten, Obst- und Gemüsegärten, Spiel- und Grabgärten. Es sind schon Acker, die den ortshöchsten Christen dargeboten werden: Zum Beispiel bietet die Gemeinde Dreifelden 3000 Quadratmeter, Höchstenbach ebenfalls 3000 und Eudorf gar 5000 Quadratmeter.

Pflanzstätte deutschen Geistes