Von Wolfgang Hoffmann

Bonn, im September

Prinz Bernhard stürzte das Königshaus der Oranier in Schande und sich selbst vom Sockel fast aller Ämter. In Japan ist die Regierungskrise permanent, in Italien und sogar auch in Großbritannien wurden Beamte und Politiker ins Rampenlicht gezerrt. Wo immer die amerikanische Flugzeugfirma Lockheed Geschäfte, vor allem solche mit dem "Starfighter", machte, gab es Schlagzeilen über Korruption. Nun muß sich auch Franz Josef Strauß in Deutschland wieder wehren.

Letzte Woche schwappte die fast schon verebbte Debatte um den deutschen Lockheed-Komplex erneut hoch. Es gab zwar keine neuen Erkenntnisse; der 17seitige Bericht des Verteidigungsministeriums über den derzeitigen "Stand der Untersuchungen in Sachen Lockheed" reichte, auch mit bisher bekanntem Material, neue Schlagzeilen zu machen. Hinzu kam ein bis dahin noch unbekanntes Detail: ein Rohrbruch.

Dieser zeitlich nicht mehr genau zu identifizierende Wasserschaden im früheren Verteidigungsministerium an der Ermekeilstraße muß nämlich als eine von vielen Möglichkeiten für den recht traurigen Umstand herhalten, daß wertvolle Akten und Dokumente des Hauses verschwunden sind, Dokumente selbstverständlich, die Auskunft über die deutsche Starfighter-Beschaffung geben könnten.

Über eine Stunde mußte der oberste "Staatsanwalt" des Verteidigungsministeriums, der Leiter der Abteilung "Ermittlungen in Sonderfällen", Ministerialrat Fritz-Josef Rath, sich den bohrenden Fragen der Bonner Journalisten stellen. Da sich keine neuen Anhaltspunkte für eine konkrete Bestechung ergeben hatten, konzentrierte sich das ganze Interesse auf die verschwundenen Akten. Es handelt sich um Akten des Ministerbüros aus den Jahren 1956, 1957, 1958 und 1959. Immerhin klärte Rath, daß nicht nur die Starfighter-Akten verloren gegangen sind, sondern generell Akten. Rath: "Dort, wo fünf Meter stehen sollten, stand nur ein halber Meter." Mit dieser Klärung ist zumindest der naheliegende Verdacht halbwegs ausgeräumt, daß nur belastende Starfighter-Unterlagen weggekommen sind.

Rath hatte allerdings ohnehin keine Hoffnung gehabt, in den Beschaffungsunterlagen konkrete Hinweise für Bestechung zu finden. Der Ermittler, der schon seit 1961, damals noch bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz, seit 1966 beim Verteidigungsministerium, nach dunklen Punkten bei der Starfighter-Einführung fahndet: "Ich bin nicht der Meinung, daß sich aus irgendwelchen Akten für das Vorliegen von Korruptionshandlungen irgendwelche Anhaltspunkte finden lassen." Schließlich hat er das in seiner vieljährigen Praxis zumindest "bei behördlich geführten Akten noch nie feststellen können".