Ich hatte mir alles aufgeschrieben, und jetzt ist es weg. Ich hatte erst mal den Tag notiert, wo es passieren sollte. War’s nicht der Neunundzwanzigste? Und dann hatte ich alle Zahlen über die Vergünstigungen, die wir der Sommerzeit verdanken, notiert. Und rein aus dem Kopf kann man das unmöglich wiederherstellen. Das werden wir gleich sehen.

Nehmen wir das Unangenehme vorweg, damit wir das hinter uns kriegen: Dadurch, daß ich als Angehöriger einer Sommerzeit-Gegend öfters nach Deutschland mußte, war ich gezwungen, meine Uhr eine Stunde zurückzustellen. Ob das den Uhren auf die Dauer bekommt? Wollte ich meine Uhr schonen, so mußte ich immer umrechnen. Sagte zum Beispiel der Zahnarzt: "Kommen Sie, wenn Sie so große Schmerzen haben, schon um acht. Ich nehm’ Sie dann vor den andern dran!", so mußte ich als Sommerzeitler die Quälerei noch bis neun aushalten.

Wir wollen uns jetzt die Vorteile vornehmen: Wenn ich von Paris nach Köln mußte, so betrug meine Flugzeit 0, in Worten: Null. Ich stieg ein: Paris-Orly oder Paris Roissy und stieg gleich wieder aus: Flughafen Köln-Bonn. Nach Berlin dauerte es etwas länger, aber gerade dort erlebte ich ein besonders schönes Beispiel der Zeitverschiebung.

Bei sehr guten Bekannten nahm die Tochter zwischen Nachtisch und Kaffee die Armbanduhr vom Handgelenk. Da fragte der Vater: "Was fummeiste denn da schon wieder rum?" Sie gab zur Antwort: "In diesem Moment kommt Walter in Rom an."

Es entstand ein familiäres Schweigen. Aber mir gefiel die Antwort gut. Monika wollte lieber mit Walter in der römischen als mit uns in der berlinischen Zeit leben. Sie lebte nur äußerlich mit uns am Tisch. Innerlich lebte sie mit Walter. Und weil das Innenleben wichtiger ist als das Außenleben, stellte sie ihre Uhr von außen nach innen um, das heißt: eine Stunde vor. Infolge der Liebe war sie uns zeitlich voraus. "Amor", wie ihr Großvater zu sagen pflegte, "vincit omnia!"

Dadurch, daß die Sommerzeit-Völker mehr mit dem Licht und der Sonne gehen, also mit der Natur, sparen sie eine ganze Masse Geld. Ich hatte das alles auf meinem Zettel notiert: Elektrisches Licht soundso viel Tausende und Abertausende Kilowatt. Diese gesparte Energie ergab, in Petroleum umgerechnet, soundso viele Fässer Dieselöl für die Lastvagen, soundsoviele Fässer Benzin für die Autos und soundso viele Fässer Kerosin für die Flugzeuge; im Luftverkehr zwischen Paris und Köln, wenn auch nur in dieser Richtung, nicht umgekehrt, kam dann noch die Ersparnis durch die auf Null reduzierte Flugzeit hinzu.

Rechnen wir die sommerzeitlich gesparten Energien in Kalorien um, so sieht die Rechnung noch positiver aus. Zu näheren Angaben hätte ich den verlorenen Zettel nötig, aber ich erinnere mich genau, daß soundso viele Völkerschaften der Dritten Welt nun einen Maiskolben mehr essen können; und das macht sie glücklich.