Hervorragend

"Musik der Gotik". Organa von Leonin und Perotin, Motetten der ars antiqua (1250 bis 1320) und der ars nova (1320–1400) bis hin zu Guillaume de Machaut, Musik also aus jener Zeit, da sich das abendländische Komponier- und Hörsystem endgültig für eine Mehrstimmigkeit entschieden hatte. Zwei Jahrhunderte, so scheint es sich aus der heutigen Betrachtungsweise auf den ersten Blick darzustellen, machten damals nur einen vergleichsweise kleinen Entwicklungs-Fortschritt aus. Aber dem genaueren Hören öffnen sich die Feinheiten – von der Parallelführung von Stimmen hin zu einer wirklichen Polyphonie, von den einstimmigen zu wirklich akkordischen Schlüssen, von der "heiligen" Dreier- zur profanen Zweier-Rhythmik, vom rein elitären, liturgischen Latein zu einer volksverbundenen altfranzösischen Polytextur. Drei Kontra-Tenöre (eigentlich in der Höhe eines Alts), fünf Tenöre und ein Baß, dazu verschiedene Instrumente der historischen Praxis: die Musik der frühen Jahre wird hier als weniger repräsentativ, eher als für kleinere Zirkel von Sachverständigen und Kennern bestimmt gezeigt – in der Tat waren Kirche und Hof die noch exklusiven Konsumenten dieser ersten musikalischen Hochkunst. (Early Music Consort of London, Leitung: David Munrow; DGG 2723045, 3 LP, 75,– DM) Heinz Josef Herbort

Hörenswert

The Ramones: "Ramones". Rockmusik mit lauten Stimmen und simpelsten Arrangements, mit dröhnenden Gitarren und Texten, die Teenager-Frustrationen binnen anderthalb Minuten auf den bündigsten Nenner bringen, ohne jeglichen Kunstanspruch, aber auch komisch und erfrischend "primitiv". Die vier spielen ihre zeitgenössischen Versionen früher Kinks- und Who-Singles mit einer Aggression, von der sich selbst Stanley Kubrick bei allen Visionen in seinem Film "Clockwork Orange" nichts träumen ließ. (Philips 6370 805)

Franz Schüler