Wie alle Reisebüros, so kämpft auch das Deutsche Reisebüro (DER) gegen steigende Kosten und um höhere Erträge. Offenbar liegt eine große Marktchance im Verkauf von maßgeschneiderten Spezialreisen.

Deutschlands größter Reisevermittler, das Deutsche Reisebüro (DER) – Umsatz 1975 fast 1,3 Milliarden Mark – blieb in diesem Jahr vom offenbar einsetzenden Wandlungsprozeß auf dem deutschen Urlaubsmarkt nicht verschont: In den 43 DER-eigenen inländischen Niederlassungen ging das Veranstalt\ergeschäft um drei Prozent zurück. Bis zum 31. August wurden nur noch rund 75 000 Pauschalreisen aus dem TUI-Sortiment verkauft.

Dafür konnte das DER bei den selbstproduzierten Individualreisen (die allerdings auch über fast 800 DER-Agenturen und -Vertriebsstellen verkauft werden) eine Steigerungsrate von über elf Prozent verbuchen, die Teilnehmerzahl stieg von 80 000 auf fast 90 000 an. Noch besser lief das Geschäft mit ABC-Flügen nach Nordamerika: Rund 58 000 Flugpassagiere brachten ein Umsatz-Plus von über 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der zunehmende Trend unter Bundesbürgern, für den Urlaub den eigenen Pkw zu benutzen (1976 kletterte die Zahl der Pkw-Besitzer um eine Million auf fast 19 Millionen), stellt in der Tat Reiseveranstalter und Reisebüros vor ganz neue Probleme. Wie erwirtschaftet denn ein solches Mammutunternehmen wie das DER seine Umsatzmillionen? Rund die Hälfte des Umsatzes (617 Millionen Mark) stammt aus den eigenen Niederlassungen. Den größten Anteil, nämlich 40 Prozent, erbringt dabei die Touristik (Hotelgutscheine, DER-Reisen, ABC-Flüge, Provision für TUI-Reisen), 28 Prozent stammen aus dem Verkauf von Eisenbahnfahrkarten, 16 Prozent aus dem Flugschein- und 11 Prozent aus dem Schiffsfahrschein-Verkauf. Die restlichen fünf Prozent stammen aus Versicherungen und Gebühren. Die andere Hälfte des Umsatzes (675 Millionen Mark) stammt aus dem Monopol des DER für den Fahrkartenverkauf: 742 Reisebüros müssen entsprechende Provisionen an das DER zahlen. Der Rohertrag ist freilich gering: nur rund 3,3 Millionen Mark gegenüber 47 Millionen Mark aus den eigenen Aktivitäten.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die zukünftige Geschäftspolitik des Deutschen Reisebüros? Der neue; Vorsitzende der Geschäftsleitung, Hans Glaser, will die Eigenaktivitäten des DER noch deutlicher als bisher von der Konfektionsware der großen Veranstalter absetzen. "Wir müssen eine Art exklusiver Herrenausstatter werden", heißt seine Devise. Sein Optimismus, daß das Deutsche Reisebüro hier noch Boden gebinnen kann, stützt sich auf jüngste Marktbeobachtungen.

Während Flug- und Bahn-Pauschalreisen infolge des Autobooms rückläufig sind, beziehungsweise stagnieren, erleben andere Ferienformen ungeahnten Aufschwung: Camping, Segeln, Hobbyreisen. Glaser kann mit Zahlen aufwarten. Reiterferien plus 32 Prozent, Tennis im Urlaub plus 20 Prozent, Zigeunerwagenfahrten plus 35 Prozent, Kapitän auf eigenem Boot plus 13 Prozent und Segeln plus 13 Prozent.

Hier will das DER seine Programme ausweiten und einem Kreis von zahlungskräftigeren Urlaubern Maßanfertigung liefern. Diese Urlaub-nach-Maß-Reisen bringen darüber hinaus auch höheren Gewinn; er ist doppelt so hoch wie bei den im Auftrag der TUI verkauften Reisen,