Sehenswert

"Die Zauberflöte" von Ingmar Bergman. Gravitätisches Geplustere an der Rampe, Standbein, Spielbein, Brust raus und steril heruntergeschmetterte Kehlkopf-Akrobatik: diese üblichste aller Opern-Attitüden erspart uns Ingmar Bergman glücklicherweise in seiner Verfilmung von Mozarts "Zauberflöte". Die "heiligen Hallen" sind mit souveräner Heiterkeit entrümpelt, das krude-pathetische Spektakel von den Liebesproben auf den Ebenen hoher (Tamino, Pamina) und niederer Minne (Papageno, Papagena), vom weisen Sarastro und der bösen Königin der Nacht ist konkreter, sinnlicher, lustiger als jede noch so unkonventionelle Operninszenierung, als jedes mit Bühnenmitteln arbeitende Kinostück.

Park, Saal, Putten, Stuck und Zuschauergesichter im Rokokotheater von Drottningholm zur Ouvertüre; Mickey Mouse, eine Partie Schach, eine Zigarette in der Garderobe während der Pause; Verfremdungen auch in der Szene: das himmlische Trio mit Strickmützen, die freimaurerischen Sinnsprüche des betulichen Librettos verulkt als schnörkelig gemalte Merk-Täfelchen. Theater bleibt hier immer als Theater im Bewußtsein, verfilmtes Theater wird, in sublimer Kenntnis der Effekte beider Medien, zur filmischen Reflexion über das Theater. Bergman: "Das Filmen ist nur mein Hobby, mein Beruf ist das Theater." Vielleicht konnte nur er beweisen, daß das vereinbar ist: psychologisiertes Musiktheater und ein wundersames Märchenspiel, ein extrem synthetisches Produkt (Playback, nachgebaute Bühne im Studio, zum Kinofilm aufgeblasenes Fernsehprogramm) und zartes, ironisiertes, verspieltes Guckkastenvergnügen, virtuoses Kalkül und Naivität. Man muß Bergman zwei, drei kleine Ausrutscher zum allzu penetranten menschheitsumschlingenden Rahmengeschehen, zum allzu rosaroten Idyll nachsehen; bei Schikaneder/Mozart geht es da viel wüster zu. Wolf Donner

Beachtlich

"Police Python 357" von Alain Corneau. Der Polizeichef von Orleans (François Rerier) und sein Inspektor (Yves Montand) haben, ohne es zu wissen, dieselbe Geliebte (Stefania Sandrelli). Der eine tötet sie im Affekt, der andere macht sich ahnungslos verdächtigt – und soll den Fall übernehmen. Was beginnt wie einer der üblichen Polizeifilme, wird zum Mord-Melodram, dann zur Psycho-Parabel und endet mit dem Knall eines Action-Thrillers. Ein Vexierspiel, das Krimimuster ins Gegenteil verkehrt, Aufklärung zur Zerstörung werden läßt: von Spuren wie von Personen. Bilder von kühler Strenge (Kamera: Etienne Becker) saugen den Betrachter in eine Spirale, die mit jeder Drehung die genreübliche Unterscheidung zwischen Jäger und Gejagtem, Opfer und Täter, Schuld und Unschuld immer mehr zerbröckeln läßt. Der "Python 357" ist übrigens ein großkalibriger Polizeicolt, der durch seine kompakte Konstruktion ein Höchstmaß an Präzision garantiert. Der Titel trifft. Helmut W. Banz

Mittelmäßig

"Wer schluckt schon gerne blaue Bohnen?" von Melvin Frank. San Francisco, 1882: Brodelnder Treffpunkt von Goldsuchern, Abenteurern und leichten Mädchen. In einem Saloon kreuzen sich ihre Wege: Charly Malloy (George Segal), Glücksritter, Falschspieler, Bankräuber wider Willen, notorischer Charmeur, und Miß Amanda Quaid (Goldie Hawn), Tingeltangel-Königin, die ihre Reize nur gegen eine "Leihmiete" zur Verfügung stellt. Hollywood-Oldtimer Melvin Frank ("Der Hofnarr") setzt noch einmal ganz auf das alte Erfolgsrezept: zwei Vollblutkomiker, eine turbulente Story mit witzigen Dialogen und die Parodie eines bewährten Genres. Doch Frank enttäuscht mit durchschnittlicher, wenn auch solider Konfektionsware. Eine ordinär vergröbernde deutsche Fassung verdirbt vollends das Vergnügen.