Die Schwarzafrikaner warten auf den unblutigen Sieg

Von Horst Bieber

Henry Kissinger, gut eine Woche lang ehrlicher Makler im südlichen Afrika, hat auf seiner Reise Daressalam (Tansania)–Lusaka (Sambia)–Pretoria (Südafrika) und zurück "keine Lösung erreicht, aber die Grundlage für Verhandlungen" – so formulierte es der tansanische Präsident Julius Nyerere. Mitte voriger Woche standen die Zeichen noch auf Sturm. Die schwarzafrikanischen Staatschefs bedeuteten dem amerikanischen Außenminister pessimistisch, der Frieden dürfe nur noch nach Tagen bemessen werden. Inzwischen aber hat Kissingers Mission wenigstens eines bewirkt: Die Tür zu Verhandlungen wurde wieder geöffnet.

Entgegen allen Unkenrufen gelang es dem US-Außenminister am vergangenen Wochenende, bei einem dramatisch inszenierten Treffen den rhodesischen Premierminister Ian Smith in Pretoria zu Konzessionen zu bewegen, die den Afrikanern groß genug erschienen, um von der Formel "Keine Verhandlungen mit Smith" abzurücken. "Wir bewegen uns auf eine Verfassungskonferenz für Rhodesien zu", erklärte Nyerere am Dienstag. Tags zuvor hatte Kissinger in der sambischen Hauptstadt Lusaka unwidersprochen erklären können: "Wir haben einen beträchtlichen Fortschritt errungen" – eine Formel, die Präsident Kaunda mit ermutigendem Schweigen zur Kenntnis nahm.

Die Tür ist freilich noch nicht endgültig aufgestoßen. Zu den beiden großen Komplexen – Namibia und Rhodesien – hat es wohl optimistisch stimmende Absichtserklärungen gegeben. Doch ob und wann sie in die Tat umgesetzt werden, ist noch völlig ungewiß.

"Ein schwankender Charakter"

Der rhodesische Premier soll sich bereit erklärt haben, nach einem Ultimatum Kissingers ("Das Spiel ist verloren"), drei Punkte zu akzeptieren: