Außer Bier und Würstchen schickte das "Neue Deutschland" aus Ostberlin den Genossen der "Unità", die in Neapel ihr Pressefest feierten, auch den Singeclub von Heuerswerda mit flotten Politsongs.

Das Fußvolk der italienischen Kommunisten, das sich letzten Sonntag; auf dem Festgelände tummelte, quittierte begeistert mit erhobenen Fäusten, obschon eine hübsche Blondine zwischendurch den Zeigefinger hob: "Die Haltung der Sowjetunion ist der Prüfstein für die Echtheit jedes Kommunisten."

Wie es damit steht bei den italienischen Kommunisten, war im Gästebuch nachzulesen, für das die sowjetische Agentur Novosti um Äußerungen bat: von der empörten Frage, warum der "große Stalin" nicht mehr geehrt werde, bis zur Forderung, die Kommunisten endlich vom Odium der Unfreiheit und des KZ-Geistes zu befreien, fehlte keine Meinung.

Wie schwer es die Parteiführung in dieser Lage hat, ihre Gratwanderung zwischen Demokratie und utopischem Sozialismus fortzusetzen, wurde spürbar, als Parteichef Berlinguer in Neapel die innerparteilichen Kritiker zu beruhigen versuchte: "Man fragt sich – einige mit dem Wunsch, andere besorgt –, ob wir Kommunisten auf dem Wege, den wir beschreiten, nicht zu einer Partei sozialdemokratischen Typs werden ... Man begreift nicht, daß wir seit 1944 eine nationale Massenpartei sind, die seit damals und auch weiterhin gewisse Schemata der Vergangenheit überwindet, die jedoch immer – auch indem sie sich unentwegt, erneuert – eine kommunistische Partei war, ist und bleibt."

Berlinguer fand keine Antwort auf den te. Einwand, den der marxistische Theoretiker Bobbio in einer öffentlichen Diskussion des Unità-Festes formuliert hatte, daß nämlich der "historische Kompromiß" der Kommunisten mit den Christdemokraten "tief antipluralistisch" sei, weil er auf eine Machtkonzentration hinauslaufe.

Obwohl Berlinguer versicherte, daß sich seine Partei nicht mit der Regierung Andreotti identifiziere, sagte er kein kritisches Wort gegen sie und ihre ersten Notstandsdekrete. Er warnte nur die christdemokratischen Parteistrategen vor einem Versuch, sich der kommunistischen Stütze zu entledigen.

Wie hohl freilich die Zähne sind, die Berlinguer da zeigte, kam zum Vorschein, als er beschleunigte Hilfe für die Erdbebenopfer in Friaul forderte: Klagte etwa der Kommunistenführer die schweren Versäumnisse der christdemokratischen Verwaltung an? Wetterte er dagegen, daß seit Mai über vier Monate verstrichen, ohne daß der versprochene Fertighaus-Bau in Gang kam? Daß man Zehntausende monatelang auf regenversumpften Zeltplätzen kampieren ließ?