Hamburg: "Allen Jones"

Soll man ihm bestätigen, er sei immer noch der Bein- und Schuhfetischist geblieben? Man trifft auf die gleichen Motive, die Allen-Jones-Erkennungszeichen, nur daß inzwischen etwas mit ihnen passiert ist: ein Bedeutungswandel. Es ist unwahrscheinlich, daß ein Maler zwanzig Jahre lang über gewisse weibliche Attribute nicht hinwegkommt, bestimmt nicht Allen Jones, dieser eher nachdenkliche als impulsive Typ, der sich für Theorien, für die Psychoanalyse beispielsweise engagiert. Er bemüht sich weiterhin, auch in den Bildern von 1976, um das Frauenbein im Stöckelschuh, möglicherweise ist der Absatz der Mode gerecht etwas flacher geworden. Der Hamburger Galerist hat, zum Vergleich, ein Bild von 1963 mit ausgestellt, an dem man den Abstand zum heutigen Jones messen kann. Die Motive haben sich – nicht total, aber weitgehend – aus ihrer Gegenständlichkeit, aus ihrem sinnlichen Kontext zurückgezogen. Das reale Bein wird von einem Farbstreifen überlagert und beinahe zugedeckt. Eine auf Hochglanz stilisierte Hand schiebt sich von außen ins Bild, und was sie ergreift, ist kein Vorhang, sondern eine Substanz, die nichts anderes beinhaltet als die Entfaltung von Rot, Grün und Gelb. Es handelt sich offensichtlich um die gleiche Farbkonstellation wie auf dem "Fallschirm" von 1963, nur daß die Farben jetzt nichts konkret Benennbares, weder Fallschirm noch Vorhang ergeben. Was sich an zwischenmenschlichem Gerangel von Armen und Beinen oder an Sexualsymbolik vor diesem Hintergrund abspielt, ist vergleichsweise uninteressant – der neue Allen Jones entzieht sich der eindeutigen Fixierung. (Galerie Wentzel bis zum 15. Oktober)

Gottfried Sello

Tübingen: "Georg Karl Pfahler"

G. K. Pfahler hat sich Gedanken gemacht über das Verhältnis von gesellschaftlichem Anspruch der Kunst und ihrer öffentlichen Wirkung. Er ist überzeugt, mit gutem Recht, daß es eine Aufgabe der Kunst sein muß, "Öffentlichkeitskunst" zu schaffen, die auf Architektur und Umwelt bezogen und darin integriert ist. Wie diese "Öffentlichkeitskunst" konkret aussehen könnte, hat der Maler, der sich seit Jahren mit dem Problem von Farbe und Raum auseinandersetzt, an Modellen (unter anderem für die Münchner Olympiade) entwickelt und in ausgeführten Arbeiten gezeigt. Er geht davon aus, daß das "Medium Farbe" ein "Raummedium" ist. Diese Eigenschaft macht es möglich, "den gegebenen Raum einer Architektur in einen Farb-Raum zu verwandeln". Ich kenne Pfahlers Farb-Räume nicht genügend aus eigener Anschauung, um beurteilen zu können, ob sich die Verwandlung der Architektur tatsächlich ereignet – entscheidend bleibt, daß die Überlegungen des Künstlers in die richtige Richtung zielen. Die Entwicklung seiner Malerei, die ein Ausgreifen in den dreidimensionalen Raum notwendig machte, hat offenbar Pfahlers An- und Einsichten zur "Öffentlichkeitskunst" stimuliert. (Kunsthalle, bis zum 3. Oktober; vom 15. 10. bis 7. 11. Kölnischer Kunstverein; Katalog 18 Mark)

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen: