Eine Kurzgeschichte der Frankfurter Buchmesse 1949 bis 1976

Von Rudolf Walter Leonhardt

Als das schöne junge Mädchen, gewiß die jüngste Erfolgsautorin der diesjährigen Buchmesse, das sogenannte Licht der Welt erblickte, war diese Messe in Frankfurt schon zehn Jahre alt. Sarah Patterson erschien sie wie neu. Mit großen, frühreifen Kinderaugen schaute die junge Engländerin in die Runde der Verleger aus bereits neun Ländern, die ihren Roman "The Distant Summer" herausgebracht haben (auf deutsch bei Schneekluth: "Einst im Sommer"), eine Runde, die auf etwa fünfzig Personen erweitert wurde durch Verlags-Troß, Agenten, Journalisten. Und sie fand Frankfurt ,,wonderful" und all die Leute "very nice".

Zu solchen Empfindungen können sich die Routiniers nur noch schwer durchringen. Kurt Zimmermann, Leiter des Fernsehkulturprogramms im zuständigen Hessischen Rundfunk, der nun schon seit zwölf Jahren den an Büchern Interessierten, die nicht in Frankfurt sein können oder wollen, einen Eindruck von dieser Messe vermittelt, meinte: "Die Sache hat sich wohl gar nicht so sehr verändert. Wir haben uns verändert."

Konkurrenzlos alternd

Was gewiß richtig ist. "Wir", die Profis, Autoren, Verleger, Lektoren, Agenten, Journalisten, fragten vor 1968: "Soll man denn immer noch nach Frankfurt zur Buchmesse fahren?", fragten nach 1969: "Ist denn gar nichts mehr los?" – und absolvierten 1976, ein wenig müde, unser Pflichtpensum. Diejenigen von uns, die von Anfang an dabei waren, sind inzwischen ja auch immerhin 27 Jahre älter geworden.

Im allerersten Jahr, 1949, war freilich noch kaum jemand dabei, als 205 deutsche Verlage in der Paulskirche ihre Bücher ausstellten, wie es der Frankfurter Buchhändler Alfred Grade angeregt hatte, dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels demnächst ein Denkmal setzen müßte. Die ZEIT nahm davon ebensowenig Notiz wie die ortsansässige "Allgemeine Zeitung".