Am 27. September werden zum zweiten Mal in diesem Jahr die Steine teurer

Lakonisch kurz, wie üblich, fiel auch dieses Mal die Ankündigung des mächtigen Kartells aus: Die von der Central Selling Organisation (CSO) angebotenen Rohdiamanten werden am 27. September um durchschnittlich 5,75 Prozent teurer. Eine Begründung für die Preisanhebung – in diesem Jahr bereits die zweite – wurde nicht gegeben. Sie ist auch nicht üblich.

Wenn sich am nächsten Montag etwa zweihundert Händler und Schleifer aus aller Welt hinter der klassizistischen Fassade der Londoner Charterhouse Street No. 2 treffen, wo die CSO residiert, dann können sie entweder den geforderten Preis akzeptieren oder unverrichteter Dinge wieder nach Hause reisen. Denn Feilschen über den Preis ist in der Branche auch nicht üblich.

Die zum Kauf eingeladenen Händler und Diamantenschleifer werden vorher gebeten, ihre Wünsche der CSO schriftlich mitzuteilen. Diese bemüht sich zwar, die Partien nach Größe und Qualität den Vorstellungen des Käufers anzupassen; kauft der Händler aber nicht, ist es für ihn fast unmöglich, irgendwo anders auf der Welt die gesuchten Steine zu finden: Hinter dem Diamanten-Syndikat steht die südafrikanische De-Beers-Gruppe, die etwa 85 Prozent der Weltproduktion an Rohdiamanten und deren Vertriebswege kontrolliert.

Der Grundstein zu ihrer Vormachtstellung wurde schon im vergangenen Jahrhundert gelegt, als der englische Kolonialpionier Cecil Rhodes von den Brüdern De Beer für 6300 Pfund eine kleine Farm nahe den Kimberley-Minen in Südafrika erwarb. Die Farm, auf einem der ergiebigsten Diamantenfelder gelegen, ging dann in den Besitz der 1888 von Rhodes und Barney Barnato gegründeten De Beers Consolidated Mines über, die schon ein Jahr später die führende Position unter den südafrikanischen Produzenten errungen hatte.

Rhodes und sein Nachfolger Ernest Oppenheimer verfolgten von Anfang an das Ziel, das Angebot an Rohdiamanten stets der konjunkturabhängigen Nachfrage anzupassen. Bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise hatte sich der Diamantenmarkt so zu einem der bestkontrollierten Rohstoffmärkte der Welt entwickelt.

Nur einmal, war die Vormachtstellung von De Beers bedroht. Im Gefolge des Börsenkrachs in den Vereinigten Staaten 1929 stießen die Reichen nicht nur in panischer Angst ihre Aktienpakete zu fallenden Kursen ab, sondern räumten auch die Diamanten aus den Tresoren. Die Preise stürzten ins Bodenlose, die gesamte Diamantenindustrie stand vor dem Zusammenbruch. Um solche Katastrophen zukünftig zu vermeiden, schlossen sich die südafrikanischen Produzenten unter Oppenheimers Führung zusammen und gründeten die Zentrale Verkaufsorganisation (CSO), die seitdem eine rigorose Preis- und Mengenpolitik betreibt.