Dem Veba-Chef ist der Wettbewerb auf dem Mineralölmarkt lästig. Sein überraschender Vorstoß in Brüssel ist ein Skandal

Wäre der Vorschlag von den Jusos gekommen, hätte er mit Sicherheit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die großen Unternehmensverbände würden vernehmlich protestieren und von einem Anschlag auf die freie Marktwirtschaft sprechen. Die Wahlkämpfer der CDU/CSU würden mit Eifer nach dem Beweisstück greifen und überall im Lande darauf hinweisen, daß hier wieder einmal ein Stück Freiheit wegsozialisiert werden solle.

Aber es war kein Vertreter des linken Flügels, der nach einem Eingreifen des Staates in den Markt rief und "eine fast totale Beschränkung des Wettbewerbs" (Frankfurter Allgemeine) im Mineralölbereich forderte, sondern ausgerechnet der Chef des umsatzstärksten deutschen Unternehmens. Rudolf von Bennigsen-Foerder, dessen

Veba im vergangenen Jahr Verkaufserlöse von über 23 Milliarden Mark meldete und der das Parteibuch der CDU in der Tasche trägt, versucht unter Umgehung des Bonner Wirtschaftsministeriums mit Brüsseler Hilfe den Mineralölmarkt in Europa zu "regulieren".

Doch damit sind noch längst nicht alle Merkwürdigkeiten des Falles aufgezählt: Es war die Veba, die – nicht ohne finanzielle Hilfe des Bundes – das Mineralölunternehmen Gelsenberg in ihren Konzernverband eingliederte, weil angeblich nur so ein leistungsfähiges, international wettbewerbsfähiges deutsches Mineralölunternehmen geschaffen werden könne. Und es ist die Veba, auf die der Satz aus dem ersten Gutachten der Monopolkommission gemünzt ist: "Die Entwicklung zeigt, daß das größte deutsche Unternehmen das Aufsaugen kleiner und mittlerer Unternehmen zu einer langfristigen Unternehmensstrategie gemacht hat."

Doch da schiere Größe allein offenbar noch kein bequemes und auskömmliches Unternehmerdasein garantiert und die Bundesregierung sich aus gutem Grund allen bisherigen Ansinnen des Veba-Chefs verschlossen zeigte, ihm durch wettbewerbswidrige Eingriffe in den Markt auf Kosten der Verbraucher die Sorgen um das schwierige Mineralölgeschäft abzunehmen, hat er es nun hintenherum versucht, seinem Ziel näherzukommen.

Ohne den Bund (der auch größter Aktionär der Veba ist) und die übrigen in der Bundesrepublik tätigen Mineralölunternehmen auch nur zu konsultieren (siehe auch Seite 24), wandte sich der Vorstandsvorsitzende der Veba gemeinsam mit vier anderen europäischen Mineralölunternehmen an die Europäische Kommission in Brüssel – ganz nach dem Vorbild der Stahlindustrie, die dort ebenfalls Vorschläge eingereicht hat, wie den Risiken des Wettbewerbs beizukommen sei.