Der Fernunterricht wird zu einer öffentlich überprüften und anerkannten Bildungschance

Von Kurt W. Schönherr

Eines der letzten Gesetze, das in dieser Legislaturperiode verabschiedet wurde, ist das Fernunterrichtsschutzgesetz. Es setzt einen Schlußstrich unter die ordnungspolitische Diskussion, die über Jahre hinweg wegen der Praktiken unseriöser Fernlehrinstitute geführt worden ist. Unkündbare oder schwer kündbare Fernkursverträge und der uneingeschränkte Vertretereinsatz zur Gewinnung von Fernschülern gehören jetzt endlich der Vergangenheit an. Vom ersten Tag des kommenden Jahres an gelten für alle Fernlehrgänge, gleich welcher Art, strenge Vorschriften.

So hat zum Beispiel jeder Fernkursinteressent das Recht, innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der ersten Lehrmaterialsendung vom Vertrag zurückzutreten. Er kann auch ohne Angabe von Gründen den Vertrag mit einer Frist von sechs Wochen zum Ende des ersten Semesters, danach jederzeit mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Vertreter, die sich auch Studienberater oder dergleichen nennen, dürfen erst dann Hausbesuche machen, wenn sie von dem Interessenten hierzu ausdrücklich schriftlich aufgefordert worden sind. Der Interessent muß zuvor in dem Besitz des vollständigen schriftlichen Informationsmaterials gelangt sein. Allgemeinbildende und berufsbildende Fernlehrgänge unterliegen zusätzlich einer Zulassungspflicht. Hierdurch soll gewährleistet werden, daß qualifiziertes Lehrmaterial und erfolgversprechende Lehrmethoden angeboten werden.

Ein neuer Beginn

Dieses Gesetz ist also ein neuer Beginn. Bildungsminister Helmut Rohde kommentierte: "Mit dem Fernunterrichtsschutzgesetz wollen wir nicht nur den Teilnehmern am Fernunterricht, sondern gerade auch den Instituten, die korrekt arbeiten, helfen. Wir haben die Absicht, nach dem Wirksamwerden der gesetzlichen Bestimmungen und der Vertragsverhandlungen der Länder die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten des Fernunterrichts breit zu unterrichten und damit den Fernunterricht als eine den persönlichen Bedürfnissen angepaßte Methode der Weiterbildung zu fördern. Damit hoffen wir, die bisherige Zahl der Teilnehmer von rund 200 000 erheblich steigern zu können. Den Nutzen werden die Bürger und die Institute und selbstverständlich die Gesellschaft haben, weil durch Fernunterricht die Qualifikation der Jugendlichen und Erwachsenen erheblich verbessert werden kann."

Als flankierende Maßnahmen sollen nach dem Willen der Bundesregierung die Förderungsmöglichkeiten für Fernschüler durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz und das Arbeitsförderungsgesetz verbessert werden. Besondere Prüfungen sollen die Erfolgschancen der Fernschüler erhöhen. Die Zusammenarbeit von Fernlehrinstituten mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung soll weiterentwickelt werden.