Von Ulrich Schmidt

Strandurlauber begnügen sich gewöhnlich mit dem Strand, was dahinter liegt, bleibt meistens unbekannt. Zumal in Dänemark, denn die Westküste von Jütland hat den längsten, breitesten und schönsten Sandstrand Europas, und wenn das Wetter danach ist, dann ist man an diesem Strand vollauf beschäftigt.

So kommt es, daß selbst Reisefachleute beim Stichwort "Limfjord" zunächst an norwegische Felsentäler denken und erst nach einem Blick auf die Landkarte entdecken, daß Jütland dicht hinterm Sandstrandwall so viel Wasser hat. Binnen und buten, sagen die Nordländer, drinnen und draußen – genau das ist der Reiz dieser Ferienlandschaft. Zwei Sorten Wasser stehen zur Verfügung: die salzige Brandung der Nordsee und das glatte Mischwasser des Limfjords, einer 1700 Quadratkilometer großen, vielfältig ausgebuchteten Wasserrinne zwischen der Nordsee und dem Kattegat.

Schon die Wikinger wußten das Zweierlei zu schätzen. Die stürmische See war ihr Jagdrevier, der Limfjord ihr "trautes Heim". Sobald sie nach dem Beutezug das "Hoftor" Thyborøn hinter sich hatten, konnte nichts mehr passieren, waren Sturm und Feinde ausgesperrt. Am Heideufer zwischen Ydby und Boddum, unweit der Einfahrt von Thyborøn, kann man in einer einsamen, fast unberührten Altertumslandschaft auf Grabhügeln aus der Bronzezeit Ausschau halten und sich vorstellen, wie unten am geschützten Sund "die Wikinger ihre Flotte versammelten, mit der sie in den Krieg ziehen wollten" – so beschrieben in Gerhard Eckerts "Jütland kennen und lieben", einem praktischen Leitfaden für Limfjord-Reisende.

Den Wechsel von binnen und buten, das Ineinander von Land und Wasser zu erleben, ist auch für die Wikinger von heute, die Segel- und Motoryacht-Urlauber, eine Attraktion. Und vielleicht noch mehr für die Auto-Urlauber, denn mit dem Auto "schafft" man mehr, und Sehenswertes gibt es genug im Limfjordland. Auch zu Lande kommt man auf jede Insel und über jeden Sund. Denn an allen Transitpunkten stehen Fähren bereit. Wenn sie nicht schon durch Brücken ersetzt sind, was das Reisen zwar beschleunigt, aber leider auch nüchterner macht.

Steen Lovschal, dänischer Touristik-Botschafter für Norddeutschland, hatte zu einer kombinierten Land- und Wassertour durch und um den Limfjord eingeladen, in einem der kleinen beschaulichen Häfen wartete eine Nauticat 33, um den Wasserpart zu übernehmen.

Die Segel blieben eingepackt, mit Motor geht es schneller. Man wollte uns möglichst viel Limfjord zeigen. Um die weitschweifig verzwickten Uferlinien abzufahren, braucht man wahrscheinlich ein Vierteljahr. Deshalb hat jeder Limfjord-Urlauber, wenn er sich eine, Yacht chartert (zum Beispiel über Danish Boat Charter oder Maritim Camping, mit Preisen zwischen 600 und 6000 Kronen pro Woche, je nach Größe und Ausstattung, Führerschein meist nicht nötig, aber sehr zu empfehlen) und auf Entdeckungsreisen geht, unvergleichbar eigene Eindrücke, und bei jedem Urlaub andere.