Was tun die Bibliothekare? Sie schreiben Karteikarten. Sie ordnen Zettelkataloge. Sie führen Statistiken. Sie blättern lustlos in neuen Büchern. Sie verwalten, sie registrieren. Lauter Tätigkeiten, die grämlich stimmen und mißmutig machen – man sieht es den leeren, den traurigen Gesichtern an, mit denen Bibliothekare sich zwischen den Regalen bewegen: sie leiden. Und zwar leiden sie an einer unendlichen, unbezwingbaren Langeweile. Um recht verstanden zu werden: die Rede ist hier von der Regel, nicht von den Ausnahmen. Gemeint sind die 2600 Kolleginnen und Kollegen, die sich Kopfschmerzen machen um den Stellenwert einer spitzen Klammer – nicht die 200 übrigen, die schon deswegen nicht an Kopfschmerzen leiden, weil sie sich mit sinnvollen und ernsthaften Dingen beschäftigen. Die Mehrheit scheint jedoch dem Beruf vernünftige und erfreuliche Aspekte kaum abgewinnen zu können. Denn so viel mürrische Gleichgültigkeit, so viel Trostlosigkeit wie in den Bibliotheken trifft man sonst allenfalls auf dem Einwohnermeldeamt an oder an den Schaltern der Bundesbahn.

Dietrich Segebrecht im September-Heft von "Buch und Bibliothek"

Freunde der Kunst

Die bildenden unter den schönen Künsten, einem Ondit zufolge immer noch allzu sehr im Glashaus angesiedelt, erfreuen sich immer größerer und inzwischen besorgniserregender Popularität. Zu schließen ist das aus zwei Meldungen, die gleichzeitig aus sehr verschiedenen Himmelsrichtungen kommen: Thomas Kissane, pensionierter Chef der New Yorker Polizei, Abteilung Raub und Diebstahl, und Gründer der "Internationalen Gesellschaft zur Sicherung der Kunstwerke", gab bekannt, daß einer neuen Statistik zufolge der Kunstdiebstahl das internationale Verbrechen Nr. 1 ist (im Jahr 1974 wurden 26 240, im Jahr 1975 33 840 Fälle registriert); und Willibald Sauerländer, Vorsitzender des Verbandes deutscher Kunsthistoriker, gab auf dem soeben beendeten jährlichen Verbandskongreß in München bekannt, daß die Zahl der Studenten des Faches Kunstgeschichte erschreckend hoch und ein "sozial unverantwortlicher und wissenschaftlich bedenklicher Überhang" an ausgebildeten Kunsthistorikern absehbar sei. Im Interesse der Kunst kann man nur hoffen, daß die beiden Berufsgruppen von partnerschaftlicher Fusionierung Abstand nehmen.

Rettungsaktion

Die größte Hürde vor der Errichtung einer deutschen National-Stiftung schien genommen, als das Parlament ihr für das Rechnungsjahr 1976 erstmals Geldmittel bewilligte: nicht die erhofften 25 Millionen Mark, sondern nur die Hälfte, aber immerhin. Obwohl dieser Haushaltstitel vorhanden ist, haben sich Bund und Länder bisher nicht auf die Konstruktion dieser Stiftung einigen können, sondern die Angelegenheit eher dilatorisch behandelt. Das heißt: die 12,5 Millionen verfallen, wenn ihr Adressat bis Ende des Jahres nicht zu existieren beginnt. Um dem vorzubeugen, haben die Schriftsteller Carl Amery und Günter Grass, die Musiker Siegfried Borris und Wolfgang Fortner, die Künstler Anatol Buchholtz und O. H. Hajek sowie der Regisseur Peter Palitzsch Ende voriger Woche eine "Notgemeinschaft Deutsche National-Stiftung" gebildet, die sich bereit erklärt hat, die Mittel treuhänderisch zu verwalten, bis die National-Stiftung ins Leben tritt.

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